Aufsatz 
Über den Begriff und die Bedeutung der Nationalität überhaupt und die Pflege der deutschen Nationalität durch Unterricht und Erziehung insbesondere
Entstehung
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Nationalgut zu erfüllen; ſo ſind dann die einzelnen Perioden und ihre hervorragendſten Werke vorzüglich geeignet, um die verſchiedenſten Seiten des deutſchen Nationalcharakters zur klaren Anſchauung zu bringen, die Jugend dafür zu erwärmen und zu begeiſtern. Um nur Einiges hier anzudeuten, da es uns zuweit führen würde, das ganze Gebiet zu durchwandern, wo böte ſich dem Lehrer eine ſchönere Ge⸗ legenheit dar, die deutſche Jugend mit den ſchönſten Zügen des deut⸗ ſchen Nationalcharakters, Mannhaftigkeit und Treue, tiefer, religiöſer Innigkeit und Begeiſterung für das Vaterland, ächter wahrer Weib⸗ lichkeit bekannt zu machen, als bei der klaſſiſchen Poeſie des Mittel⸗ alters, dem Nibelungenliede und der Gudrun, dem Parcival und Titurel, ſowie in der reichen weltlichen und religiöſen Lyrik. ¹) Hat ſich auch ſeit jener großen Zeit ſo Manches anders geſtaltet; ſo iſt es doch immer noch das deutſche Gemüth, das deutſche Herz, welches in jenen Gedichten ſich ſo ſchön und uns verſtändlich ausſpricht und uns ergreift, weil das ächt deutſche Gemüth ſich auch bei uns im Allgemeinen noch ſo bewährt, wie es ſich damals zeigte. Wenn die Poeſien unſerer erſten klaſſiſchen Periode, als in welcher die Ver⸗ mählung des deutſchen Geiſtes mit dem chriſtlichen zum Abſchluß kommt, ſich vorzugsweiſe durch den Charakter der Liebe, der Zart⸗ heit und Innigkeit, und einer rührenden Naivität auszeichnen; ſo tragen dagegen die Meiſterwerke unſeres zweiten Blüthenalters, welches den Abſchluß eines langen, vieljährigen Ringens des deutſchen Geiſtes mit dem Geiſte des griechiſch⸗römiſchen Alterthumes und dem der übrigen modernen Kulturvölker bezeichnet, vielmehr den Charakter der Kritik, des Weltverſtandes und der Weltgewandtheit, ſowie der Univerſalität und Allſeitigkeit²) an ſich und ſind ſomit ganz vorzüg⸗ ¹) Vgl. Lieder und Sprüche der Minneſänger von Bernh. Hüppe, eine Aus⸗

wahl des Beſten, was die lyriſche Poeſie des Mittelalters zu bieten vermag. ²)War ehedem der Blick beſchränkt auf Haus und Hof und die dunkelen

Wälder und grünen Bergeshalden, welche die friedliche Stätte der Heimath umkränzten, ſo ſchweift er jetzt ſonnenhell und frei, weit hinaus über die