Aufsatz 
Über den Begriff und die Bedeutung der Nationalität überhaupt und die Pflege der deutschen Nationalität durch Unterricht und Erziehung insbesondere
Entstehung
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dung, in Sprache und Literatur, in Kunſt und Viſſenſchaft, in Staatsverfaſſung und Geſetzen, in Sitten und Gebräuchen ſich offen⸗ baren. Alles dieſes und Anderes iſt durch die Nationalität, je nach⸗ dem dieſelbe mehr oder weniger ſcharf ausgeprägt iſt, mehr oder weniger gefärbt und beſtimmt. Forſchen wir nach den letzten Gründen der Nationalität, ſowie nach den Quellen, woraus dieſelbe entſpringt; ſo finden wir ſie theils durch die Natur und Beſchaffenheit des von einem Volke bewohnten ¹) Landes, durch Klima, Nahrung und Lebens⸗ weiſe, theils aber und zwar beſonders durch die ihm von Gott an⸗ erſchaffene, körperliche und geiſtige Organiſation, gleichſam das von oben ſtammende Erbtheil und Vorſchußkapital, ²) verbunden mit den beſonderen Geſchicken einer Nation, bedingt. Der edelſte kaukaſiſche Volksſtamm würde, nach Grönland oder in die tropiſchen Gegenden Afrika's verpflanzt, ebenſowenig ein ſchönes und kräftiges Volksthum entwickeln, als umgekehrt die Lappen oder Neger, wenn ihnen ein gemäßigtes Klima ſammt allen Vortheilen deſſelben zu Theil würde. Erſt, wo Beides ſich zuſammen vereinigt, günſtige klimatiſche und Bodenverhältniſſe und vortreffliche körperliche und geiſtig⸗gemüthliche Anlagen, ſehen wir die Blüthe edeler Menſchlichkeit ſich entfalten. Betrachten wir übrigens die Menge und Verſchiedenheit der theils dahin geſchwundenen, theils noch beſtehenden Nationalitäten; ſo kön⸗ nen wir keinen Augenblick zweifeln, daß die Nationalität von Anfang

¹) Den Einfluß der Natur auf den Menſchen, des Klima's und des Landes auf den Charakter des Volkes, welches darin wohnt, haben bereits die Alten wiſſenſchaftlich erkannt und dargeſtellt, zuerſt Hippokrates zεν eεαω dddτυν, ony, worin er zeigt, daß die Menſchen, im ganzen geſchätzt, ſo ſind, wie das Land und Klima, welches ſie bewohnen, daß ſie phyſiſch und moraliſch mit dem Boden übereinſtimmen.

²)Als der geiſtige Urborn der Nationalität und als naturwüchſig erſcheint der Grundton, die Stimmung im Temperament und in dem Maß und der Art von Talenten und Neigungen, S. Wachsmuth, Geſchichte d. deutſch. Nationalität. S. 5. ferner Viſchers Aeſthetik B. II. S. 18.