Ueber den Begriff und die Bedeutung der Nationalität überhaupt und die Pflege der deutſchen Nationalität durch Unterricht und Erziehung insbeſondere.
Nicht mit Unrecht wird uns Deutſchen der Vorwurf gemacht, daß wir über dem Ausländiſchen und Fremden das Vaterländiſche und Eigene, über dem weit Entfernten das nahe Liegende von Natur zu vernachläſſigen geneigt ſind. Dies gilt ſowohl in vielen andern Beziehungen, als auch hinſichtlich des Unterrichts und der Erziehung. Noch iſt es nicht ſo lange her, daß die deutſche Jugend mit allem Andern eher und genauer bekannt gemacht wurde, als mit dem Va⸗ terländiſchen und Heimathlichen, daß ſie, von der Gewöhnung an fremde und zwar insbeſondere franzöſiſche Sitten und Manieren, Trachten und Moden hier nicht zu reden, in der griechiſchen und lateiniſchen, der franzöſiſchen und engliſchen Sprache, Geſchichte und Geographie ebenſo gut, wenn nicht beſſer zu Hauſe war, als in der deutſchen. Obwohl dies nun allerdings in unſerer Zeit beſſer ge⸗ worden, obwohl die deutſche Sprache und Literatur, die vaterländiſche Geſchichte und Geographie an allen Schulen unter den verſchiedenen Unterrichtsgegenſtänden, wie ſie es verdienen, eine hervorragende Stelle einnehmen; ſo werden ſie doch noch nicht immer mit all der Liebe und Begeiſterung, die ihnen zukommt, behandelt; ſo wird doch insbeſondere nicht an und mit ihnen die vaterländiſche Geſinnung und das Nationalgefühl geweckt und gefördert. Und doch ſind dieſes Eigenſchaften, die zwar zu allen Zeiten, ganz beſonders aber in der jetzigen von höchſter Wichtigkeit und Bedeutung ſind. Auf der Na⸗ tionalität beruht der Charakter eines Volkes und der Werth ſeiner
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