Aufsatz 
Johann Friedrich Seidenbender's Vorschläge für die Wiederaufrichtung der Stadt Worms nach der Zerstörung derselben durch die Franzosen im Jahre 1689 / von August Weckerling
Entstehung
Einzelbild herunterladen

65

ſatzung nehmen theten, alß Bayern Augspurg und Regenspurg, Branden⸗ burg Nürnberg, Pfalz Wormbs, Trier Speyr, Menz Franckfort, Colln die ſtatt Cölln u. Würtemberg Ulm. Und wer weiß, waß das biſtumb dargegen Churpfalz abtrette oder cedire? Denn es noch auf ſehr viel dauſend außlaufende praetensiones hat. Dazu Churpfalz ſich vormahlen ſchon verſtanden und in würckliche tractatus eingelaßen, weiln das biſtumb laber) nebſt denen fructibus perceptis auch die percipiendos haben wollen, iſt alles zurück gangen, und haben dato noch nichts bekommen.

Ob der adel unß ſchon nicht viele torten anthun können, ſo hencken ſie doch alle alß catholiſche an dem biſtumb und thun das ihrige mit contribuiren, welches man genugſam beobachtet hat, wen man ihnen das jagen in der ſtatt territorio verbotten.

Wie ſich die judenſchafft gehalten, iſt noch in friſchem gedächtnus. Und muß deren boßhafftiges verfahren wohl notabeniret und zu ſeiner zeit beanthet, auch ihre rückſtändig gebliebene ſchuldigkeit executive abgefordert werden.

Außwendig ſind wir ringsherumb mit Churpfalz territorio umb⸗ zingelt[126] und gleichſam ſo zu ſagen mit einem roſencranz umbgeben, daß wir, wen man nur die(sic] geringſte disguſto erwecket, nicht ein ſtück holz zum bauweſen oder brennen werden haben können. Gratificiret man dan in allem, ſo macht man ſich gleichſam tributair. Und wollen hernachmahlß auch die wiedrigſte ſachen willfahret haben. Und alßdan heiß[t es] est rogare ducum species violenta jubendi, zumahlen wen wir von keiner mächtigen puissanse underſtützet werden. Chur⸗ pfalz iſt zwar ſchuzherr uber die ſtatt(welches noch[die Zahl fehlt] jahr währet), er iſt es aber auch zugleich uber das biſtumb, und zwar älter, und iſt nicht zu vermuthen, daß er demſelben(ſonderlich wen des h. bruders hochfürſtl. Durchl. leben bleibet) abſtehen, hingegen der ſtatt alß ſogenannten ketzern beytretten werde; allemaßen die lehrſetze von denen Postillons de l'eglise romaine bekant ſind! und iſt vernünftig zu ſchlißen, daß, wen dieſer herr biſchoff das leben beſchließen ſolte, das [127] dhomcapitul doch keinen ex gremio(alß wieder die ſtatt nicht mächtig genug zu ſein beförchtende), ſondern einen vermögenden princen (a. R. gleich wie mit des inmittelſt verſtorbenen) herrn biſchofs brudern Dhl. beſchehen, oder Chur⸗Mentz), wen ſie ſich ſchon eine zeitlang ſelbſten wehe thun, erwehlen würde, alldieweiln ihr tort mit ſeinem tode wieder ceßiret, daß unßrige aber perpetuirlich bliebe!

Der Biſchof Ludwig Anton Pfalzgraf ſtarb 1694 d. 4. Mai, worauf ſein Bruder Franz Ludwig zum Biſchof gewählt wurde.

5