Aufsatz 
Johann Friedrich Seidenbender's Vorschläge für die Wiederaufrichtung der Stadt Worms nach der Zerstörung derselben durch die Franzosen im Jahre 1689 / von August Weckerling
Entstehung
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Dantzen.

Ob ich wohl meines orths wünſchen mögte, daß dieſes alß der unzucht dollmetſcher allerdings abgeſchaffet würde, weiln es lim Orig.: ſie] eine freundin aller laſter, eine anzeigerin zu aller leichtfertigkeit, eine abge⸗ ſagte feindin aller keuſchheit und eine ubung, ſo nimmermehr würdig, daß ein ehrlich⸗ und vernünfftiger menſch ſich damit ſolle, beluſtigen, ſo beſorge doch, daß es ſich nicht wolle practiciren laßen. Wäre es alſo des ſommers bis umb 11, des winters aber 10 uhr zu geſtatten, und die verbrechere ſowohl, alß die muſicanten und ſpieleuthe nach der uberfahrung zu beſtrafen. Und ſolte nicht undinlich ſein, daß man dieſe herumb⸗ſpringende täntzer ihrer ſterblichkeit, und wie der tod mit tantzte, durch an⸗die⸗wandmahlung des bekanten todentantzes(zu Baſel) in dem dazu angerichteten tantzhauße erinnerte, welches doch ein oder daß andere gemüth von aller leichtſinnigkeit abhalten würde.*)

[108] Hochzeit⸗geſchencke.

Nachdemahlen auch in dieſem ein großer mißbrauch eingerißen, und einer uber den andern uber ſein vermögen ſich ſehen laßen wollen, alß ſolle ſelbiges hinkünfftig abgeſtellet und keinem bürgerlichen inwoh⸗ ner uber einen thaler, einen goldgulden, oder eine ducat vor ein paar eheleuthe nach gelegenheit der perſon zu geben erlaubet ſein. Doch ſind hirunter die eltern, alß vatter und mutter und nahe angewandten ſambt denen frembden nicht mitbegriffen, alß welchen ihre liberalitet zu bezeugen frey bleibet.

Kindt⸗taufe..

Gleich wie mit der taufe ſeines kindleins ein rechtſchaffener chriſt nicht zu ſaumen, ſondern ſich zu befleißigen hat, das es je eher je lieber von[109] des ſatans gewalt erlöſet und zum tempel der h. dreyeinigkeit eingeweyhet werde, alſo ſolle bey vermeidung willkührlicher beſtrafung ad pios usus kein kind uber 3 tag ungetaufft liegen bleiben, ſondern den dritten tag auf daß allerlengſte dem gnaden⸗bund gottes einverleibet, und nicht uber reſp. 6. 10 biß 15 paar weiber zur kind⸗ tauf erbetten, und der große pracht der kindbetterinnen abgeſtellet wer⸗ den. Und ſolle die taufe nicht mehr zu ſo unordentlicher zeit, alß wie vormahlen, da offt verſchiedene hundert auß der predigt geblieben, ſondern dieſelbe nach der nachmittag⸗predigt verrichtet werden; ſo hören ſie nicht

*) Eine im Original noch mitgeteilte ſtrenge Verordnung des Churfürſten Joh. Georg II. v. Sachſen iſt hier weggelaſſen.