— 54—
fleißigen, ſo auf alle weiſe zu verhüten und zu verhindern, hingegen
der beeden löbl. keiſer Valentiniani et Marciani herrlichen erklärung
nachzufolgen iſt, wenn ſie geſaget: humanitatis nostrae esse, egenis
prospicere ac dare operam, ut pauperibus necessaria non desint. Mißbrauche.
Nachdeme jede obrigkeit dahin bedacht ſein ſolle, wie ſie ihren
underthanen und bürgern under die arme greifen und ihnen helfen
möge, ſo iſt under andern auch eines von denen nothwendigſten ſtücken, daß die[Mißbräuche,]*) ſo bey denen
handwerckern
und uberall leider vorgehen, abgeſchaffet werden, worunter das uber⸗ mäßige zechen bey denen beſichtigungen derer meiſterſtücken ete., geſellen⸗ aufdingen, und ſonderlich lehrjungen loßſprechen die haubtſtelle bekleidet. Wären demnach meine gedancken, daß eine jedwedere zunfft bey ihren pflichten ſchrifftlich ubergeben ſolle, waß vor mißbreuche bey ihnen eingerißen, und wie denſelben abgeholfen werden mögte, worauß dan die obrigkeit daß beſte nehmen, und ſo dan reguliren könnte.[Es folgen nun auf zwei von Seidenbender ſpäter ſeiner Arbeit hinzuge⸗ fügten Blättern folgende Vorſchläge:]
Handwercks⸗mißbrauche.
Weilen jederzeit eine obrigkeit in handwercks⸗ſachen zu mindern und zu mehren hat, alß hat ſie billig die mißbrauche abzuſchaffen, darunter nun zu zählen:
1. daß vor dieſem in die geburhtsbriefe geſetzet worden, daß er nicht ſeye eines baders, barbirers, müllers, leinenwebers, ſchaafhirten, hirten, zöllners, pfeiffers, ſpielleuthe, trommeter und dergleichen hand⸗ werckers ſohn, weiln ſolche irraiſonable und gehäßige gewohnheit ſchon a. 1548 v. dem reichstag zu Augspurg und in der policey⸗ordnung Caroli V. c. 37 abgeſchaffet worden. 4.
2. Die große uncoſten, ſonderlich ‚bey denen geſchenckten hand⸗ werckern abzuſtellen, weiln einem ſolchen menſchen, den die reyhe offters trifft, faſt alles, waß er in einem jahr verdienen kann, ſo liederlich darauf gehet.(v. R. A. d. a. 1548 c. 36.)
*) Dazu iſt am Rande noch bemerkt: Die alte titul müßen abgeſchaffet, und nimand als dem, der daß ambt führet der ambtstitel als ſtätt⸗bürgermeiſter und ſchultheiß gegeben werden. Und hat man ſich jederzeit frembder gelächter exponiret, wen ſie ſich mit dem nahmen alter ſtättmeiſter, alter bürgermeiſter, alter ſchultheiß faſt ohne ſcheue moquiret.


