Aufsatz 
Johann Friedrich Seidenbender's Vorschläge für die Wiederaufrichtung der Stadt Worms nach der Zerstörung derselben durch die Franzosen im Jahre 1689 / von August Weckerling
Entstehung
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heit nicht aufrichtig, und in der obſervantz des gewißens gegen gott nicht getreu ſeye. Da iſt der lügengeiſt, der geiſt der falſchheit und untreu ſolcher hertzen bald mächtig, dieſelbe mit allerhand argwohn, untreu, ungehorſam[21] und tücken zu erfüllen, dagegen dan alle menſchliche vernunfft und vermeinte kluge friedens⸗conſilia nichts ver⸗ mögen.

Bettſtunden in der wochen.

Gleichwie an dieſen ſehr viel gelegen, daß ſie nicht nur gehalten, ſondern auch beßer, alß leyder in unſerm laulecht⸗geweſenen chriſtenthumb, beobachtet und beſuchet werden, alſo kan die entſchuldigung der unge⸗ legen⸗geweſenen zeit gar leichtlich aufgehoben und ſelbige alle tage des ſommers umb 5 oder 6 und des winters umb 3 uhr oder halbweg 4 (damit keine lichter angeſtecket und anderes ungemach dardurch verhütet werde) gehalten werden. Und weiln alles auf die zeit zu appliciren iſt, könten anſtatt der ſpalmen die propheten von Jeremia*) anfahend ge⸗ leßen und auf unßern gleichmeßigen zuſtand gerichtet, auch vor jedem capitul, wie anderwerts auch gebreuchlich, umb beßeren verſtands willen der kurtze inhalt deßelben mit[22] wenigem angezeiget, und wo etwan ein dunkeler ſpruch vorkommet, oder worauß ein ſcrupel entſtehen könte, derſelbe mit wenig worten erkläret werden. Nach dem gebett, ſo auf unßern zuſtand gerichtet ſein muß, ſoll allezeit die litaney mit geleßen und die bettſtunde mit einem gleichförmigen geſang beſchloßen werden. Und darf ſich keiner ſchämen, dieſelbige zu beſuchen, umb gott darinnen zu loben und umb ſeinen gnadenſeegen anzurufen, oder vermeinen, daß ſolche halbe ſtunde ſo großen ſchaden bringen werde. Dan quo fre- quentius oras, eo felicius laboras. Der von gott unmittelbar er⸗ leuchtete und wegen dieſer ſeiner ſo hocherleuchteten weißheit von dem großen könig Dario zum oberſten ſtatthalter im ganzen Königreich ver⸗ ordnete, auch königliche prince Daniel hatt gewiß mit denen reichs⸗ affairen und angelegenheiten beede hände voll zu thun gehabt; und nichts deſtoweniger kniete er des tages dreymahl in ſeinem ſommerhauße bey ſeinen gegen Jeruſalem offenen fenſtern auf ſeine knie, bettete, lobete und danckete ſeinem gott, welchem unvergleichlichem exempel dan billig alle rechtſchaffene chriſten nachahmen ſollen.

Und könten die dazu erwehlende geſänge auf ettiche ſchwartze hin⸗ und her aufhenckende täflein, biß man ein klein dazu bequemes bett⸗ ſtundbüchlein drucken ließe, wozu ſehr rathe, angeſchrieben werden.

*) Eine längere dies begründende Parentheſe iſt hier weggelaſſen.