Aufsatz 
Johann Friedrich Seidenbender's Vorschläge für die Wiederaufrichtung der Stadt Worms nach der Zerstörung derselben durch die Franzosen im Jahre 1689 / von August Weckerling
Entstehung
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im gebrauchungs⸗ſtand, ſich zu bedienen, ſie würden aber beſorglich bald zu enge fallen, weilen durch die gnade gottes man einer volckreichen gemeinde ſich getröſtet.

Mit denen catholiſchen eine kirche gemein zu haben, iſt nunmehr gar nicht rathſam, ſondern auß vielfeltigen urſachen ſelbige zu verlaßen.

Nachdemahlen man aber doch daß recht, in der Dominicanerkirche zu predigen, vermög des instrumenti pacis hergebracht und biß auf die zerſtörung ruhig beſeßen; die patres Dominicani auch bürger zu Wormbs ſeyn, ſo wäre ſolches ius ſich entweder per expressum vorzubehalten,(ſo faſt daß beſte, damit man[3] allezeit einen fuß darinnen habe) oder auf eine annehmliche weiße abzuhandlen, worinnen aber der ſtatt gerechtſame gar genau in obacht genommen werden müßte.

Und ſo die Dominikaner⸗mönche erfahren würden, daß man eine eigene kirche zu bauen feſtgeſtellet, werden ſie gar wenig vor daß da⸗ rinnen habende recht zum abkauf geben wollen, ſondern die ſtatt(ob es ihnen ſchon nicht umb daß hertz) zum mit⸗anbau erfordern. Daher mit guter circumſpection, zu gelegener zeit, mit ihnen zu correſpondiren und einer vertrauten perſon, deren treue und wohlwollen gegen die republique man verſichert, ſolches amt zu concreditiren iſt, welches (ohnmaßgeblich) ſobald alß möglich, anzufangen, damit durch die ver⸗ zögerung man ſeine kaltſinnigkeit, und umb in gemeinſchafft zu bleiben, deſto beſſer verdecken könne. In welcher zeit man ſehen kan, waß bey ihnen zu bewerckſtelligen ſein möge; den biß in den, gott gebe, baldigen anbau zu warten, ich gar nicht convenabel finde.

Zu erlangung eines funqdi iſt nicht nur die collecte aller orthen zu ſuchen, ſondern man müßte nebſt dem ordinari klingel⸗ oder all⸗ moſen⸗ſäckel in allen predigten auch kinderlehr u. betſtunde noch ein apartes herumb gehen laßen, auch alle*) ffeiertage] vor den kirchenthüren oder, welches beßer und reichlicher außwürfet, durch zween gottliebende per⸗ ſonen von hauß zu hauß ſamlen laſſen, dan in die becken gar wenig geleget zu werden pfleget, in die büchße aber ſo wenig einzuwerffen, ſchämt ſich mancher, und thut par raison d'état et l'honneur mehr alß auß liebe zur kirche geben; welches onus dan in denen zünfften umbgehen könte. Und müßte die büchße alſofort gelifert, gezehlet, in ein buch geſchrieben, und bey verſicherten leuthen in verwahr gegeben werden. Und ob es anfangs ſchon wenig ſcheinet, machen doch viele tropfen einen regen, und kleine bächlein endlich einen fluß.

*) Im Original eine unverſtändliche Abkürzung.