Einleitung.
Die Originalhandſchrift der auf den folgenden Blättern mitge⸗ teilten Vorſchläge für die Wiederherſtellung und Neugeſtaltung des Gemeinweſens der Stadt Worms nach der Zerſtörung im Jahre 1689 befindet ſich in Band Nr. 26 des reichsſtädtiſchen Archivs der Stadt Worms. Der Verfaſſer der Vorſchläge iſt in der Handſchrift ſelbſt nicht genannt, wohl aber iſt in der dem hieſigen Gymnaſium gehörigen Wormſer Chronik, in der ein Auszug aus dem Gutachten mitgeteilt iſt, der Stättweiſter Johann Friedrich Seidenbender als derſelbe bezeichnet. Daß dieſe Angabe richtig iſt, ergibt ſich mit voller Sicherheit, wenn man die ſehr charakteriſtiſchen Schriftzüge und die Ausdrucksweiſe unſerer Schrift, mit der Handſchrift und der Ausdrucksweiſe Seidenbender's in zahlreichen von ihm für den Rat verfaßten und im hieſigen Archiv aufbewahrten Briefconcepten, Gutachten und Denkſchriften vergleicht. Eine beſonders wichtige Schrift von ſeiner Hand iſt die Darſtellung der Zerſtörung der Stadt Worms im Jahre 1689, die von Prof. W. Oncken 1870 in der Zeitſchrift für die Geſchichte des Oberrheins Bd. 23 nach einer Abſchrift herausgegeben worden iſt. Die damals nicht auf gefundene Originalhandſchrift befindet ſich jetzt im hieſigen Archiv in Nr. 21, 32.(Näheres über dieſe Schrift, ſowie über die Schreibweiſe des Namens ihres Verfaſſers ſindet man bei Soldan, Zerſtörung der Stadt Worms im Jahre 1689 S. 3 u. 4). Bei der hervorragenden Bedeutung, die Johann Friedrich Seidenbender in ſchwerer, verhäng⸗ nisvoller Zeit für die Stadt Worms gehabt hat, mögen hier zunächſt einige den Akten des hieſigen Archivs entnommene, bisher nicht bekannte Nachrichten über das Leben und die Familie des Mannes Platz finden. Johann Friedrich Seidenbender gehörte einem über 200 Jahre in Worms blühenden Geſchlechte an, das 6 Generationen hindurch am ſtädtiſchen Regiment beteiligt war. Der erſte Vertreter der Familie in Worms war der aus Oberkheim(dem heutigen Obrigheim, einem


