Aufsatz 
Die volkswirtschaftliche Bedeutung des Waldes
Entstehung
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den Absatz weg. Gegenüber solchem Import ist es zunächst gewiesen, die Nutzholzausbeute unserer Wälder möglichst zu heben, auf Kosten der Gewinnung von Brennholz, denn nur ersteres wird aus nahe liegenden Gründen vom Ausland eingeführt. Aber diese Maßregel wird erst in mehr oder weniger ferner Zeit einigermaßen zur Geltung kommen. Wollen wir uns für die nächste Zukunft, wollen wir uns jetzt unserer Haut wehren und wir sind im Stande der Notwehr so liegt die einzig wirksame Hülfe in einem hohen Zollsatze; damit weisen wir die Überführung unseres Marktes mit fremdem Nutzholze zurfick und nehmen zu gleicher Zeit unseren unverständigen Grenznachbarn den Anreiz, durch weitere Waldverwüstung uns unabseh- baren Schaden zuzufügen. Wenn aber dabei die Tarifverhältnisse so ungünstig für uns liegen, daß österreichisches Holz nach Avricourt billiger gefahren wird als bayrisches nach Straßburg, so bedeutet dies wiederum eine schwere Benachteiligung des deutschen Forstwirtes. Die Taxe unserer Eisen- bahnen, 3,50 Pf. für die Tonne auf einen Kilometer hin außer der Expeditionsgebühr hat sich für die unbearbeiteten schweren Bau- und Nutzhölzer als zu hoch erwiesen und bedart dringend der Ermäßigung, damit unser Erzeugnis in ganz Deutschland konkurrenzfähig sei. Dafür muß ein fallender, s. g. Staffel-Tarif eingeführt werden, welcher also auf 600 Kilometer hin nicht das Sechsfache verlangt wie für 100 km, sondern vielleicht das Drei- oder Vierfache. Eine solche Herabsetzung der Bahn-Frachtsätze für Ferntransport wird in beiderseitigem Interesse der Kohlenbergwerke- und Waldbesitzer, sowie im eisenbahnfiskalischen Interesse sein; die Wagen, welche dem Westen Grubenholz zuführen, könnten den Osten mit Kohlen versorgen. Es ist betrübend, Holz in den deutschen Wäldern umkommen zu sehen, während wir jährlich für fremdes 150 bis 160 Millionen M. hinaussenden,¹) und zwar durchaus nicht ploß für solche Sorten, welche bei uns nicht wachsen könnten hat doch im Jahre 1893 Rußland allein 16 Millionen Doppelcentner Holz bei uns eingeführt.

Anerkennenswert sind die Bestrebungen der deutschen Regierungen, die so tief in das Volkswohl einschneidende Hochwassersgefahr zu mildern. In dieser Hinsicht ist bisher systemlos und unverständig gehandelt worden. Statt die Dämme an den Flußufern nach einem einheitlichen Plane so zu führen, daß die Wasser sich nicht stauen, sondern möglichst rasch ins Meer geführt werden, sind die Deiche vielfach nur zum örtlichen Schutze der Gemarkung nach ganz zufälliger Richtung aufgeführt und, um Land zu sparen in viel zu geringem Abstande von einander. Das Flußbett ist somit nicht bloß durch viele Krümmungen ganz zweckwidrig verlängert, sondern auch dermaßen eingeengt, dabz bei hohem Stromgange durch Stauung bzw. Eisverstopfung eine Überflutung unvermeidlich ist wie fast alljährlich namentlich die Weichsel und Nogat beweisen. Die in der jüngsten Zeit in Angriff genommenen Maßregeln bewegen sich aber dem Anscheine nach auf einem Wege, welcher nicht zur Grundursache des Ubels führt. Ein am 15. Juni 1892 erschienener kön. preußischer Erlaß hebt zu der Frage:»Welches sind die Ursachen der neuerdings vorgekommenen Uberschwemmungen?« ausdrücklich hervor:»hat nament- lich das bisherige Regulierungs-System der preußischen Flüsse zur Steigerung der Hochwasser- gefahr beigetragen, und welche Anderungen sind im Bejahungsfalle zu empfehlen?« Zum Vor- sitzenden des zur Beantwortung dieser Fragen eingesetzten Ausschusses wurde der Direktor der Bauabteilung im Ministerium der öffentlichen Arbeiten, zum Stellvertreter ein Oberbaudirektor ernannt. Der Ausschuß hat bis jetat meines Wissens fast nur solche Vorschläge verlauten lassen, welche sich auf verbesserte Flußregulierung beziehen. Diese ist gewiß so angezeigt, daß selbst die ungeheueren Summen nicht schrecken dürfen, welche zur vollen Durchführung erforder- lich sein werden, aber sie behandelt das UÜbel nur äußerlich, ohne in seinen Sitz einzudringen.

¹) Mitteil. d. Frankf. Handelskammer.

Wöhlerschule 1895. 4