Aufsatz 
Die volkswirtschaftliche Bedeutung des Waldes
Entstehung
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24 werden hier in Frankfurt echte Singdrosseln zu Hunderten und Tausenden verkauft, und auf Helgoland ruhen auf ihren Zügen im Frühjahr und Herbst die nützlichsten und prächtigsten Sänger sich aus, um gewürgt zu werden. Deutsche Frauen aber tragen noch Vogelbälge auf den Hüten.

Bei der außerordentlich hohen Bedeutung, welche der Wald für das Gesamtwohl hat, ist der Hüter desselben, der Staat, berufen, für seine Pflege im weitesten Sinn einzutreten. Selbstverständlich muß er mit einer musterhaften Forstwirtschaft vorangehen. Hierin bleibt in verschiedenen deutschen Landen noch manches zu thun. Es sei mir gestattet, eine Sache an- zuführen, worin Bayern mit gutem Beispiele vorleuchtet. Auf bewaldeten Abhängen, namentlich solchen, welche durch unmäßiges Streurechen gelitten haben, ist die Anlage von s. S. Sicker- gräben sehr zweckmäßig, d. h. vieler(annäühernd) horizontal verlaufender Rinnen; diese sammeln nicht bloß das Laub, welches der Wind sonst herabweht, sondern sie halten auch bei Regengüssen qus abwürtsfließende Wasser auf und pieten ihm die Möglichkeit, allmählich in den Boden einzudringen, verhüten also sein Zusammenströmen zu verheerenden Wildbächen. Namentlich in der Rheinpfalz,¹) auch im Spessart, hat man damit die besten Erfahrungen gemacht. Das Wasser, welches jetzt alte, lang versiegte Quellen wieder Jahr aus, Jahr ein speist, ist nichts anderes als das weiter oben versickerte Regenwasser. Ebenso hat man auch, mittels Herstellung kleiner Dämme in Wasserrissen und Mulden, Sammelbecken angelegt, namentlich bei Wege- Uberführungen durch enge Thäler, welche zu Zeiten der Dürre den Wiesen unterhalb noch Feuchtig- keit gewähren. Nebenbei lassen sich solche Teiche manchmal noch zur Fischzucht oder Riedgewinnung verwerten. Es sind ausgezeichnete Erfolge von einzelnen Forst-Verwaltungen mit solchen Anlagen erzielt worden, aber die in Angriff genommenen Flüchen sind viel zu klein. Sie zeigen nur, was erreicht werden könnte, wenn der Regierung die Mittel bewilligt würden, den Staats- forstbesitz zu erweitern und nach einem einheitlichen Plane den Wasserabfluß im ganzen Lande zu regeln. Einzelne solcher Thalsperren sind auch in großem Mabstabe ausgeführt worden, z. B. in den Vogesen, nachdem Sachverständige, wie Reuleaux, sich dafür ausgesprochen hatten. Seitdem aber, namentlich in Nord-Amerika, bei Hochwasser solche Stauweiher unter dem gewaltigen Drucke geborsten sind, und dann erst recht eine fürchterliche UÜberschwemmung nerbeiführten (Johnstown) scheut man die damit verknüpfte, wenn auch noch so wenig wahrscheinliche Gefahr, zumal Massenbehälter einen bedeutenden Kosten-Aufwand erfordern.

Alle die seither erörterten Maßnahmen werden nun wenn auch nur als Nebenwirkung eine verstärkte Holzproduktion zur Folge haben. Man könnte dagegen einwenden: es geht jetzt schon genug Holz in den Forsten zu Grunde warum noch mehr ziehen? In der That, ich habe z. B. in den Wäldern des Spessart zahlreiche Stämme verfaulen sehen und von dem Forstpersonal auf meine Frage, warum man dies geschehen lasse, den Bescheid erhalten:»Wir können nicht mehr Holz absetzen; der Bedarf ist gedeckt, und wenn wir auch jenes noch abfahren lassen wollten, dasselbe würde nicht die Kosten für Aufarbeiten und Abfuhr aufbringen.« Die preise sind wirklich so gedrückt bei uns, daßs Holz geringerer Güte, welches im Gebirge nicht nahe am Wege wüchst, kaum noch einen Reingewinn beim Schlagen abwirft. Es erhellt daraus, wie wichtig die Anlage zahlreicher guter Abfuhrstraßen in allen Forsten ist, aber auch wie notwendig, daß dem deutschen produkte der deutsche Markt gesichert werde. Österreich und Rußland gestatten rücksichtslosen Raubbau in ihren Wäldern und machen dadurch die Hoch- wasserverhältnisse der dort entspringenden deutschen Ströme, wie Elbe, Oder, Weichsel, Memel, immer schlimmer und gefährlicher für uns. Gleichzeitig aber überschwemmen sie unser Land mit dem Holze, welches dort zu Schleuderpreisen losgeschlagen wird, und nehmen dem deutschen