Aufsatz 
Die volkswirtschaftliche Bedeutung des Waldes
Entstehung
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den dürren Asten und von den schwachen, unterdrückten Bäumchen, deren man ja zum gegenseitigen Schutz und Halt weit mehr im Anfange pflanzt, als später stehen bleiben sollen. Je größer sie werden, desto mehr Holz wird ausgehauen, endlich werden die ausgewachsenen Stämme gefällt, aufgearbeitet, abgefahren, behauen, zugerichtet zu Balken, Klötzen, Bohlen, Diehlen, Latten, Pfählen, um von feineren Holzwaren, Werkzeugen, Holzwolle, Papierstoff nicht zu reden.

Sehr übel angebracht ist der Einwand, solche Waldanlage auf schlechtem Boden bringe ja die Kosten nicht wieder ein. So gut wie der Staat eine sich schlecht verzinsende Bahn baut in einer vernachlässigten, armen Gegend und diese dadurch hebt, so gut muß er auch jene Auf- wendungen machen: sie rentieren dennoch und zwar reichlich, wenn auch indirekt durch Er- höhung des Wohlstandes. Bei der größten in dieser Beziehung aufgenommenen Arbeit, der Wiederaufforstung der Eifel, hat man darüber interessante Erfahrungen gemacht. Noch im Anfange dieses Jahrhunderts lebte ein grobzer Teil der dortigen Bevölkerung vom Forstgewerbe und den damit verbundenen Inqustrien. Beide waren zurückgegangen, die Bodenverhältnisse und das Klima verschlechtert, die Leute verarmt. Zu den Kulturarbeiten gab der Staat 2 der Kosten, steuerten die Gemeinden bei, und doch hat sich deren Leistungsfähigkeit bedeutend erhöht ¹). Den Bewohnern hat man vermehrte Arbeitsgelegenheit verschafft, und ihre Gemar- kungen sind ertragsreicher geworden, seitdem sie besser geschitzt sind vor Wind und Frost, vor Wildwasser im Wechsel mit Dürre.

Noch ein Punkt verdient hierbei Beachtung. Schießen nicht mehr die Regen von den kahlen Höhen ab, werden sie vom Walde gesammelt und aufgespeichert, so ist damit der Industrie eine regelmäßige und billige Wasserkraft geschaffen.

Man hat in neuerer Zeit künstliche Wasserabflüsse aus sumpfigen Gebieten hergestellt, es hat sich sogar ein Verein gebildet zur Urbarmachung der Moore, von welchen Deutschland über 400 Quadratmeilen besitzt, ein friedlich zu eroberndes Gebiet von der Größe der Provinz Sachsen ²). Dabei erstrebt man in erster Linie allerdings eine Steigerung des Ertrages von diesen Flächen, welche fast nichts bringen, teils durch Umwandlung in Wiese und Feld, teils durch Anpflanzung von Fichten u. s. w., wo vordem höchstens die wertlosere Erle gedieh. Es ist gewiß ein sehr löbliches Bestreben, die Nutzbarkeit schlecht rentierender Gebiete zu erhöhen, aber bei Hochmooren jedenfalls ist große Vorsicht geboten, damit der Vorteil nicht durch unbe- absichtigte Nachteile überwogen werde. Im Riesengebirge ist die Beobachtung gemacht worden, daß infolge solcher Entwässerungsanlagen die Überschwemmungen in den Thälern weit heftiger geworden sind. Begreiflich der schwammige Inhalt eines solchen Moorbeckens vermag außer- ordentlich große Mengen von Feuchtigkeit aufzunehmen, welche er nur langsam zum tiefer gelegenen Grunde durchsickern und in Quellen zu Tage treten läßt. Zerstört man diese natür- lichen Sammelbehälter des Regen- und Schneewassers, so ergießt sich dasselbe unmittelbar, ver- heerend in die Niederungen. Man darf diese Thatsache nicht aus den Augen lassen die Moore der Gebirgsgegenden spielen eine bedeutsame Rolle im Haushalte der Natur. Was für den Rhein die Firnmassen und Gletscher der Alpen, das sind für die Elbe, die Oder und andere nord- und mitteldeutschen Flüsse die Moore und Torfflächen des Riesengebirges, der Sudeten, des Böhmerwaldes und der benachbarten Bergzüge. Aus dem nämlichen Grunde hat ja auch die Trockenlegung vieler kleinen Seen die Hochwassermengen unserer Flüsse vermehrt.

Die höchsten Berge Deutschlands harren noch der Aufforstungsversuche; denn»die Grenze des Baumwuchses ist bei 1060- 1070 m im Harze, bei 1190 m in Schlesien, jenseits dieser Grenze beginnt die Knieholzregion« ³). Die Fichte geht im südlichen Schwarzwald bis zu

y Roloff. ²) Sombart. ³) Donner.