Aufsatz 
Die Ableitung des Wortes "Pfahl" als Bezeichnung des limes / von Reinhard Walz
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Und gerade nach Pohlgöns zu gehen, möchte ich allen denen empfehlen, die immer noch

mit Zangemeister der Ansicht sind, Pfahl sei geschärfte Aussprache für vall. Wer hier ein- mal dem Bauer, um mit Luther zu reden, aufs Maul gesehen, wenn er seinPohlgroawe ausspricht, dürfte von seinem Irrtum für alle Zeit geheilt sein.

5.

Fassen wir zum Schlusse das Ergebnis der Arbeit in folgende Sätze zusammen:

. Die offizielle Bezeichnung der römischen Grenzwehre ist hmes.

Ob überhaupt und inwieweit der römische Soldat im Verkehr mit den Germanen hier- für das Wort dallum oder valli anwandte, ist nicht bekannt.

Sprachlich ist der UÜbergang von lat. anlautendem p in pf als geschärfte Aussprache nicht nachgewiesen und an sich nicht wahrscheinlich; sachlich ist wahrscheinlicher, dass die germanische Bezeichnung nicht erst nach der späteren Anlage, wo nur noch Wall und Graben bestanden, gegeben wurde, sondern nach dem ursprünglichen, charak- teristischen Merkmale derselben, dem augenfälligen, hochragenden Palissadenzaun.

.Das lateinische Wort palus wurde nicht in dem Sinne von Schanzpfahl gebraucht und

kann die Veranlassung zu der deutschen Bezeichnung nicht gegeben haben. Pfahl ist mit kleiner Bedeutungserweiterung aus dem Lateinischen entlehnt und hat die hochdeutsche Lautverschiebung durchgemacht; palus verhält sich zu Pfahl, dial. Pohl (Pehl) wie postis zu Pfosten, dial. Poste, pater zu Vater, Vetter, dial. Petter. Die weitere Bedeutungsentwicklung des WortesPfahl weist auf die durch Pfähle bezeichnete Grenze hin, die in gerader Richtung verläuft. Nach dem Ver- schwinden der Pfähle trat das zweite Merkmal des Schnurgeradenpohlgroad mehr in den Vordergrund. Im Zusammenhang damit wurde die BezeichnungPfahl vom Volke auch auf Ortlichkeiten und Anlagen von Menschenhand übertragen, die dem Auge einen ähnlichen Eindruck machen wie der Grenzwall und bei denen nicht selten der römische Ursprung in der Erinnerung lebendig blieb.

So ist also auch in dieser Frage nichtdas Unwahrscheinliche das Wahre, wie

Zangemeister meint, sondern das Einfachste, denn es ist und bleibt das Natürlichste.