Erſter Teil. Schulnachrichten.
1. Jahresgeſchichte. Der Großh. Reallehrer Alfred Haller, der ſeit dem 1. April 1880 an der Anſtalt thätig war, wurde im Mai 1890 an die Realſchule zu Darmſtadt verſetzt. An ſeine Stelle trat der proviſoriſche Reallehrer Dr. Sigmund Feiſt aus Mainz, der am 12. Mai 1890 in ſeinen Dienſt eingewieſen wurde...
Der evangeliſche Religionslehrer Pfarrer Dr. Bergmann mußte wegen Erkrankung im Sommer ſeinen Unterricht einſtellen. Die Vertretung deſſelben wurde am 26. Juli 1890 dem Pfarraſſiſten⸗ ten Wilhelm Vogel übertragen.
Der Unterricht erlitt auch in dieſem Jahr wieder mehrfache Störungen. Der Großh. Realleh⸗ rer Dr. Langstroff war vom 20. Juli an auf 8 Wochen, der proviſoriſche Reallehrer Georg Nehb vom 15. September an auf 6 Wochen zu militäriſchen Uebungen eingezogen. Der Letztere ward außer⸗ dem vom 12. Februar an bis zum Schluß des Schuljahrs zu einem Turnkurſus nach Darmſtadt einberufen.
Eine Reviſion der Anſtalt wurde am 5. December 1890 durch Herrn Oberſchulrat Soldan, eine ſolche des evangeliſchen Religionsunterrichts am 9. März 1891 durch Herrn Superintendenten Dr. Köhler vorgenommen. 1 I— 8**2
Zu Ehren des Generalfeldmarſchalls Grafen Moltke, der am 26. October ſein neunzigſtes Le⸗ bensjahr vollendete, fand tags zuvor eine Schulfeier ſtatt, bei welcher der Direktor die Feſtrede hielt. Bei der Kaiſerfeier am 27. Januar 1891 ſprach der Großh. Reallehrer Jäger.
Der Geſundheitszuſtand der Schüler ward im Herbſt durch eine ausgebreitete Maſernepidemie ungünſtig beeinflußt. Auch kamen im Anſchluß hieran mehrere Fälle von Diphtheritis vor. Leider erlag ein braver und fleißiger Schüler der achten Klaſſe, Hugo Rheinſtein, am 5. Januar 1891 der tückiſchen Krankheit.
Eine für die körperliche Entwicklung der Schüler ſehr förderliche Einrichtung wurde auf An⸗ regung des Direktors ſeit Oſtern 1890 an der Realſchule eingeführt, über die Herr Reallehrer Schmuck weiter unten berichtet.“*) Alle Freunde der Jugend werden auf die dort gegebene Darſtellung nachdrücklichſt hingewieſen.
Aus den Jubiläumsſtiftungen wurden im Lauf des Jahres ausgegeben: 68 ℳ 90. für die Bibliothek, 263 ℳ 88 ₰. für eine Tauchbatterie, 204 ℳ 52 ₰. für eine Influenzelektriſiermaſchine, 211 ℳ 90 ₰. für einen Mangſchen Univerſalapparat, 50 ℳ 20 ₰. für einen Tachographen, 51 ℳ für Anſchauungsbilder aus der bibliſchen Geſchichte, 58 ℳ 50. für kryſtallographiſche Glasmodelle.
2. Der Anterricht in der Vorſchule. Achte Klaſſe. Zweijährig. Wort⸗ und Satzleſen. Abſchreiben und Uebungen im Rechtſchreiben. Geläufiges Leſen der deutſchen und lateini⸗ ſchen Druckſchrift. Heftſchreiben der deutſchen Kurrentſchift. Dingwort, Zeitwort, Eigenſchaftswort. An⸗ ſchauungsunterricht nach den Gruppenbildern von Winckelmann und Leutemann. Gedichtvortrag. Rechnen in den Zahlenräumen von 1 bis 20 und von 1 bis 100. Siebente Klaſſe. Zweijährig. Leſen im dritten und vierten Theil des heſſiſchen Leſebuchs. Gedichtvortrag. Dingwort, Zeitwort, Eigen⸗ ſchaftswort, perſönliches Fürwort. Deklination, Konjugation, Steigerung. Der einfache Satz und ſeine“ Erweiterung durch Attribut und Object. Uebungen im Rechtſchreiben und Aufſatz. Beſchreibung von Tieren und Pflanzen im Sommer, Heimatkunde im Winter. Rechnen mit unbenannten und benannten ganzen Zahlen im Zahlenkreis von hundert bis million. Münzen, Maße, Gewichte. Reſolvieren, reduzieren.
*) Das Spiel im Stundenplan von Emanuel Schmuck.


