Aufsatz 
Roger Ascham / Aug. Wallenfels
Entstehung
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im September 1550 in die politische Carrière gedrängt, indem ihn sein König dem englischen Ge- sandten am deutschen Hofe, Mr. Morysine, als Secretär beigab und dieser seiner neuen Stellung verdanken wir ein nicht minder wichtiges, wenngleich dem Inhalt nach ganz verschiedenes Werk als der Toxophilus. Als liebenswürdiger und geistreicher Gesellschafter war er bald in allen Kreisen des Hofes eingeführt und gerne gesehen; mit demselben durchwanderte er einen grossen Theil Deutschlands, Alles, Was ihm wichtig oder doch auffällig erschien, in seinem mit grosser Genauigkeit geführten Tagebuch sorgfältig verzeichnend. Als Ergänzungen zu seinen Aufzeich- nungen dienen die aus jener Zeit stammenden Briefe an seine Freunde und Collegen in Cambridge. Fünf derselben sind von Augsburg, wo er sich ungefähr ein Jahr lang aufhielt und der letzte von Innsbruck datirt. Auch in unserer Gegend ist er gewesen.Wir wurden, so erzählt er,von Pferden in Kähnen den Rhein heraufgezogen. Die Trauben wachsen auf den sonnverbrannten Höhen so wunderbar, dass man es nicht begreifen kann, wie die Leute es wagen, hinaufzuklettern und in solcher Menge, dass es nicht nur ein Wunder ist, wo man die Menschen findet, die sie ziehen, als auch die, welche den Wein trinken. Sieben oder acht Tage gehören dazu, um die Wein- berge zu durchreisen. Und wahrlich, dieser Rheinwein ist so gut und natürlich, so lieblich, so eigenthümlich, wie man sich ihn nur wünschen kann. Als ich von England abreiste, fürchtete ich das Bier nicht entbehren zu können; jetzt glaube ich, dass ich, wenn ich nach England zurückkomme, diesen Wein nicht mehr missen kann. In der That trinke ich besser deutsch, als ich deutsch spreche, und ich werde hier solche Vorkehrungen treffen, dass ich, wenn ich wieder nach Cambridge komme, jedes Jahr ein Fässchen Rheinwein habe.

In Würtemberg traf er eine Tochter des Königs von Dänemark, welche vor Anna von Cleve mit lleinrich VIII. vermählt werden sollte. Sie hatte den Kaiser besucht lund war jetzt auf einer Reise nach Spanien begriffen. Ihr Zug bestand aus 300 Pferden und in ihrer unmittel- baren Nähe waren 16 Damen auf Zeltern. 36 Maulthiere, ebenso eine grosse Anzahl von Wagen waren mit ihren Geräthschaften beladen, und eine ganze Anzahl von Burschen, die zu Küche und Stall gehörten, trabten zu Fusse im Schmutze hinten nach.

Den Kaiser Karl V. hat er zweimal in nächster Nähe geschen, das erstemal krank in seinem Zimmer, wo er ein Gewand von schwarzem Taffet und eine pelzverbrämte niederländische Mütze trug und das zweitemal bei Tafel. Da hatte Karl V., an dessen Seite der römische König Ferdinand sass, vier Gänge: Rindfleisch, Hammelffeisch, Hasenbraten und Kapaun, welch' letzterer den Beifall des Kaisers in ganz besonderem Grade gehabt haben muss, denn Ascham schreibt, er habe sich gütlich daran gethan(he fed well of it). Der Durst Karls scheint mit seinem Appetit im Einklang gestanden zu haben, denn er hatteden Kopf fünfmal länger in seinem Pokale wie alle Andern und trank nie weniger, als ein tüchtiges Quart Rheinwein auf einmal.

Auf Weihnachten 1551 communicirte Ascham mit 1500 Protestanten in Augsburg. Die Religiosität dieser Stadt weiss er nicht genug zu rühmen.Jeder Familienvater lässt jeden Morgen und Abend seine Angehörigen niederknieen, Psalmen singen und liest ihnen ein Kapitel aus der heiligen Schrift vor. 3 4000 Personen singen gleichzeitig in derselben Kirche und wenn eine papistische Kirche ein Dutzend Besucher hat, so ist das viel.

Am Fastnacht Dienstag durchzog ein Haufe Spanier, weinend, klagend und sich geisselnd, die Strassen Augsburgs und viele Herren, allein aus des Kaisers Umgebung 113, hielten in gold-