Aufsatz 
Tegnérs Stellung zur Theologie und Philosophie sowie zu den religiösen Richtungen seiner Zeit / R. Waldeck
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ein Sohn seiner Zeit sei. Tegnér war ein Sohn des 18. Jahr- hunderts, dessaeculum rationalisticum, wie es wohl genannt und als solches weiter unten eingehender zu schildern ist. Denk- weisen, die in England, Frankreich und Deutschland, zumal in den höheren Sphären der Gesellschaft, ungemeine Verbreitung gefunden hatten, waren wie ein geistiges Miasma auch nach Schweden gedrungen. Und obschonder Geist des Unglaubens, der in den letzten Dezennien jenes Jahrhunderts auch in Schwe- den verspürt wurde,** im Allgemeinen, selbst bei den Gebilde- ten und Gelehrten, den herzlichen Glauben der Väter nicht zu verdrängen vermochte, und unter dem Volke zumal, zwischen sei- nen Tannenwäldern, Bergen und Seen Gottesfurcht und patriar- chalische Sitteneinfalt ungetrübt sich erhielten, so war es doch sehr natürlich, dass an einem Brennpunkte der Wissenschaft wie Lund bei grosser Regsamkeit und Geistesfrische sowohl der aka- demischen Lehrer als der Studirenden die zeitbewegenden Ideen ihre Vorkämpfer und Vertreter fanden. Auch Tegnér war als jüngerer Dozent nicht frei von der Skepsis des Jahrhunderts in dem er geboren war. Er erschien da als ein liebenswürdiger Plato oder Pindar in einer Person, sicherlich das reine Gefühl seiner Kindheit für das Christenthum sich bewahrend, aber dabei enthusiastisch eingenommen für seineolympische Götterwelt.*** Seine damalige Auffassung des Christenthums schloss sich nach dem, was er wohl gesprächsweise zu äussern pflegte, an die der frömmeren Universalisten unter seinen Zeitgenossen an, bei denen sich oft in der Tiefe eine grössere Religiosität fand, als äusser- lich hervortrat, einer Ansicht von den göttlichen Dingen wie die- jenige Schillers, der unter der Hülle aller Religionen die Religion selbst findet. Wie wenig seine religiösen Anschauungen da- mals mit der überlieferten Kirchenlehre in Einklang standen, beweist die Thatsache, dass er in einem als Vizebibliothekar mit grosser Sorgfalt von ihm angefertigten und grossentheils eigen- .V, 9. Schubert, I, 43.

. Kahl. 61. Kahl, 208.