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ihre Fusstapfen sind fast alle gebildeten Völker unseres Erdtheils getreten. Wohl 15 Mal ist Frithiof ins Deutsche, sechs Mal ins Englische, wiederholt ins Französische und Dänische, ja sogar ins Russische, Polnische und Neugriechische übersetzt worden; nicht viel geringere Gunst hat das Ausland den übrigen grösseren Dichtungen, den Nachtmahlskindern, der Ritterromanze Axel, dem grossartigen Fragment Gerda zugewandt. Mit Recht nimmt Teg- nér einen Ehrenplatz in dem Pantheon der Weltlitteratur ein, er ist unzweifelhaft ein Dichterkönig, auf den der bekannte Ausspruch Ben Jonsons über Shakespeare, dass er nicht für ein Jahrhundert allein, sondern für alle Zeiten gewesen, seine volle Anwendung findet.
Vor dem Strahlenglanz, der das Haupt des Dichters Tegnér umleuchtet, tritt der Theologe allerdings in den Schatten. Ist es doch nur wenigen bevorrechteten Geistern verliehen, es auf den Gebieten der Kunst und der Wissenschaft zugleich zu vollendeter Meisterschaft zu bringen. Am allerwenigsten war eine tiefein- greifende, schöpferische Wirksamkeit in der Theologie von dem Genossen eines Volkes zu erwarten, das, wie Bedeutendes es auch in anderen Zweigen der Wissenschaft geleistet hat, doch in dieser entschieden auf den Schultern des Deutschen steht und mit weni- gen Ausnahmen seine dogmatische, exegetische, ja selbst kateche- tische und homiletische Weisheit aus deutschen Quellen geschöpft hat. Man erwäge ferner: Tegnér, bereits im Hochsommer des Lebens stehend, als er sein hohes Kirchenamt antrat, seine Thä- tigkeit vielfach durch rein mechanische Amtsgeschäfte zersplittert, die zur Vertiefung in wissenschaftliche Objekte so nothwendige Harmonie der Seele durch Sektirerei im eigenen Stifte sowie durch politische Parteikämpfe in dem geliebten Vaterlande mannigfach gestört und endlich vollends vernichtet durch die furchtbare Kata- strophe, die das edle Haupt vorübergehend in die sternenlose Nacht des Wahnsinns tauchte— wie hätten unter solch ungün- stigen äusseren Bedingungen die Flügelschläge eines über den höch- sten Problemen der Menschheit sinnenden Geistes nicht ermatten sollen? So kommt es, dass wir für den Zweck der vorliegenden


