Aufsatz 
Über die fränkischen Majoresdomus
Entstehung
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Vortheile von Ebruins Wirken, nicht die unſägliche Fülle von Haß, den dieſer ſich namentlich ſeitens der geiſtlichen Würdenträger zugezogen hatte.) Doch war mit Ebruins Tode Pippins Lage noch nicht vollſtändig frei. Seine beſten Krieger waren in der Schlacht bei Laon gefallen; Auſter hatte ſich von dieſer Niederlage noch nicht erholt. Waratto, der neue Majordomus von Neuſter und Burgund zwang ihn zu einem Vergleich, der ſich wahrſcheinlich auf die Anerkennung Theuderichs beſchränkte.**) Waratto wurde von ſeinem eigenen Sohn Gislemar aus ſeiner Würde verdrängt, und jetzt berichten uns die Geſchichtſchreiber von neuen Kämpfen mit Pippin, über deren Ausgang man nichts Beſtimmtes angeben kann.***) Nach dem Tode Gislemars trat Wa⸗ ratto in ſein früheres Amt wieder ein, das er nur noch kurze Zeit bekleidete. Ihm folgte ſein Schwiegerſohn Berthar.****) Dieſer verſcherzte bald durch hochfahrendes Benehmen gegen die Großen die Liebe und das Vertrauen im eigenen Lande; viele der Vornehmen ſuchten und fanden Schutz bei Pippin, und jetzt hielt dieſer den günſtigen Augenblick für gekomuien, ſeine Herrſchaft auch über Neuſter und Burgund auszudehnen. Die Schlacht bei Tetry entſchied zu Gunſten Auſters.(687) Mit ſeinen an Zahl geringeren Truppen erfocht Pippin den entſcheidendſten Sieg. König Theuderich und ſein Majordomus retteten ſich durch die Flucht. Gewiß brachte dieſer Sieg Pippin zum Ziele ſeiner Wünſche; doch ging es nicht ſo ſchnell, wie es die Metzer Annalen in ihrer offenbar parteiiſchen Schilderung darſtellen.**) Es wird berichtet, daß Berthar noch einige Zeit ſpäter das Majordomus⸗Amt verwaltete,*****) und erſt als dieſer auf Ansfleds Be⸗ treiben getödtet war, tritt Pippin als Majordomus über Neuſter und Burgund auf.

Wenn wir den phantaſiereichen Schilderungen der Metzer Annalen Glauben ſchenken könnten, dann war der König aus dem Hauſe der Merovinger von jetzt an in dem königlichen Hofgut Montmacg zwiſchen Noyon und Compiegne eingeſchloſſen und ſtrenge bewacht; nur einmal im Jahre wurde er hervorgeholt, auf den Thron geſetzt und dem zum Märzfeld ver⸗ ſammelten Volke gezeigt, um die üblichen Geſchenke in Empfang zu nehmen, den Heerbann zu muſtern und nach Eingebung ſeines Majordomus Recht zu ſprechen. Im Uebrigen führte der Majordomus die Leitung der Geſchäfte, vertrat die Intereſſen des Reichs nach Innen und Außen, empfing und entſendete Geſandtſchaften. Wenngleich aber ſchon der eine Umſtand, daß zahlreiche Urkunden, an den verſchiedenſten Orten und zu den verſchiedenſten Zeiten von den ſpäteren mero⸗ vingiſchen Königen unterzeichnet, ſich vorfinden,***) die Metzer Annalen in das Gebiet der Fabel verweiſen, ſo iſt doch andrerſeits nicht zu leugnen, daß die Machtſtellung Pippins ſeit der Schlacht bei Tetry eine außerordentliche war und die ohnehin ſchwachen Könige gänzlich in Schatten ſtellte.

*) cf. Bonnell. Die Anfänge ꝛc. p. 118.

**) cf. Bonnell I. c. p. 124. gesta. Franc. 47.

***½) gesta Franc. 47.

****) ibidem 48.

***rr) Mon. Germ. tom. I. p. 320. u. Bonnell 1. c. p. 185. **rrrn) cf. Einhardi vita Caroli Magni c. 1.

**erne) cf. Bonnell. Die Anfänge ꝛc. p. 126.