Aufsatz 
Über die fränkischen Majoresdomus
Entstehung
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unter Herzog Waimar dem Ebruin ſchon früher angeſchloſſen. Dieſem ſchwachen Zuſtand Auſters gegenüber war aber Neuſter und Burgund immer enger zuſammengewachſen. Seit Warnachars Tode ſtets unter einem König vereinigt waren beide Länder durch Ebruins kraftvolle Führung faſt zu einem Körper verſchmolzen, und die Feinde des Reichs im Innern gewaltſam aus dem Wege geräumt. Schon einmal hatte Auſter dem Uebergewicht der vereinigten Neuſtrier und Bur⸗ gunder das Feld räumen müſſen; jetzt bei dem Tode Dagoberts, als Ebruin von neuem rüſtete, ſchien es mit der Unabhängigkeit Auſters zu Ende zu gehen. In dieſem Augenblick der größten Noth richteten alle diejenigen, denen die Selbſtändigkeit ihres Landes am Herzen lag, ihr Augen⸗ merk auf Pippin II,*) den Sohn des oben geuannten Ansgiſil und der Begga, den Enkel der gefeierten Herzöge Arnulf und Pippin. Seit dem verunglückten Verſuche Grimoalds, den Thron für ſeinen Sohn zu gewinnen, hatte ſich das Geſchlecht Jahrzehnte lang allen politiſchen Beſtre⸗ bungen fern gehalten. Mittlerweile war das Andenken an Grimoalds That vergeſſen; bei der allen gemeinſamen Noth gedachte man nur mehr der Dienſte, welche Arnulf und Pippin, die Ahnen dieſes Geſchlechtes, dereinſt in äͤhnlichen Verhältniſſen dem Lande geleiſtet, und jetzt war der Augenblick gekommen, wo Pippin die Aufgabe ſeines Geſchlechtes, die für kurze Zeit unter⸗ brochen war, wieder aufnehmen konute. Das Heer der Auſtraſier rückte unter Pippins und Martins**) Führung in Neuſter ein; bei Laon entſpann ſich ein blutiger Kampf, und wiederum blieb Ebruin Sieger. Martin, der ſich nach Laon geworfen, fiel einem ſchmählichen Verrath zum Opfer; Pippin rettete ſich durch die Flucht. So ſtand Ebruin am Ziel ſeiner Wünſche; das ge⸗ demüthigte und geſchwächte Auſter konnte kaum noch Widerſtand leiſten, als der gefürchtete Major⸗ domus bald nachher vor ſeinem eigenen Palaſt als ein Opfer perſönlicher Rachſucht fiel.***) Der Mörder fand gute Aufnahme bei Pippin, den er von ſeinem gefährlichen Gegner befreit hatte. Unſtreitig gehört Ebruin zu den bedeutendſten Männern ſeiner Zeit, der auch einem Pippin nicht nachſtand; aber ebenſo unſtreitig iſt es, daß alle Früchte ſeiner weithinreichenden Be⸗ mühungen gerade dem Geſchlecht der Pippiniden in den Schooß ſielen. Zunächſt hatte die Noth, in welche Ebruin das Land der Auſtraſier brachte, die Pippiniden aus dem Dunkel wieder ans Licht gezogen und ihnen von neuem die Führerſchaft der Großen Auſters eingebracht. Dann hat er aber auch Neuſter und Burgund für die Herrſchaft Pippins vorbereitet; er hatte in dieſen Ländern die früher emporgekommene Macht der geiſtlichen und weltlichen Großen unterdruͤckt und gerade durch die Vernichtung der Ariſtokratie dem Majordomus⸗Amt eine bis dahin nie gekannte Machtſtellung verſchaſſt. Und als Pippin bald nachher deſſen Erbſchaft antrat, erntete er nur die

*) Am bekannteſten iſt er unter dem Namen Vippin von Heriſtal, ſowie der erſte pippin vielfach nach ſeinem angeblichen Geburtsort Pippin von Landen heißt. Doch hat Bonnell: Die Anfänge der Karolinger ꝛc.(p. 50. ff.) zur Genüge dargethan, daß dieſe Bezeichnungen erſt im 13. Jahrhundert in Folge eines übertriebenen bel⸗ giſchen Patriotismus entſtanden, und die Wiege und Heimath des karolingiſchen Geſchlechts weiter nach Oſten zwiſchen

Maas, Moſel und Rhein zu ſuchen iſt. **) Ob er ein älterer Bruder Vippins II. geweſen, wie man aus den gest. Franc. c. 46. Martinus

et Pippinus junior fllius Ansegiseli ſchließen will, ſcheint doch zweifelhaft, dajunior doch wol im Gegen⸗ ſatz zu dem ältern Pippin ſteht. ef. Bonnell. Karolinger p. 123. ***) gesta Franc. 47.

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