Aufsatz 
Über die fränkischen Majoresdomus
Entstehung
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Ueber die fränkiſchen Majoresdomus.

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Weitdem vor dem gewaltigen Andrang der Germanenſtämme das römiſche Reich im

Abendlande zuſammengebrochen war, hatten ſich die deutſchen Völker über die verſchiedenen Theile des in Trümmern liegenden Kaiſerthums ergoſſen und dort ſelbſtſtändig ihre Herrſchaften be⸗ gründet. Die Einheit des Abendlandes war zerriſſen, jeder Zuſammenhang der früher eng ver⸗ bundenen Länder gelöſt. Theodorichs, des großen Oſtgothenkönigs, Bemühungen, die bedeutendſten germaniſchen Reiche unter einheitlicher Führung zu vereinigen, erwieſen ſich als eine verfrühte Idee und ſche iterten an dem eigenthümlichen Trieb der Germanen, ſich eher zu trennen als zu einigen. Vieles trug dazu bei, den neu entſtandenen Reichen ein raſches Ende zu bereiten. Es wohnten darin zwei Bevölkerungen nebeneinander, die in Gewohnheiten, Sprache und Sitten ganz ver⸗ ſchieden waren; der nationale Unterſchied, lange gewaltſam unterdrückt, mußte um ſo gewaltiger immer wieder hervorbrechen, als auch die Verſchiedenheit des Glaubens und kirchlichen Lebens mit ins Spiel kam. Die Ungewißheit der Thronfolge, die vielfachen Reichstheilungen und die damit verbundenen innern Kriege ſchwächten das kaum erſtarkte Königthum, ſo daß es der überall aufſtrebenden Ariſtokratie bald nicht mehr gewachſen war. So ſehen wir ſchon hundert Jahre nach ihrer Gründung die germaniſchen Reiche in voller Auflöſung, einige ſchon dem Untergange verfallen.. S In demſelben raſch' ſich vollziehenden Prozeß innerer Zerrüttung war zu Anfang des fiebten Jahrhunderts auch das Reich begriffen, dem ſchon unter ſeinem Gründer die allgemeine Herrſchaft üͤber die Germanen geweiſſagt war, das Reich der Franken. Jedes Blatt der fränkiſchen Ge⸗ ſchichte, wie ſie Gregor von Tours bis zum ſiebten Jahrhundert mit ſeltenem Freimuth geſchrieben, zeigt uns ein verwildertes und verworrenes Geſchlecht. Es durchzieht dieſe Periode eine viel ver⸗ ſchlungene Kette von Verbrechen und Gräuelthaten, wie ſie ſonſt kaum die Geſchichte aufweiſen kann; es tobte ein wilder Kampf, von Eiferſucht, Wolluſt und Herrſchſucht eingefädelt und mit Liſt, Verrath und Grauſamkeit durchgefochten. Es war für die Franken jene verhängnißvolle Zeit gekommen, wo die guten Sitten der heidniſchen Vorzeit vergeſſen und von dem Chriſtenthum meiſt nur rohe und abergläubiſche Anſichten gewonnen waren. Auf dem Throne ſaßen bejammerns⸗ werthe ſchwache Puppen, die in den Händen von grauſamen und verſchmitzten Weibern zu Schand⸗ thaten jeglicher Art willig ſich hergaben. Nach den Sagen von Fredegar hatte die Mutter Chlodwigs 1*