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Am 22. September 1855 ſind dem Gymnaſiallehrer Hofrath Haas neben den ihm bereits übertragenen Functionen eines Ueberſetzers und Dolmetſchers bezüglich der bei den Gerichten des Großherzogthums nöthig werdenden Uebertragungen aus der franzöſiſchen, engliſchen, italieniſchen und ſpaniſchen Sprache in die deutſche gleiche Functionen für die Gerichte bezüglich der portugieſiſchen und holländiſchen Sprache ſo wie außerdem die Functionen eines Ueberſetzers und Dolmetſchers bezüglich ſämmtlicher vorgenannten Sprachen für die Miniſterien des Großh. Hauſes und des Aeußeren, des Innern und der Finanzen übertragen worden.
Pfarrer Krämer, welcher ſeit Herbſt 1847 den katholiſchen Religionsunterricht am hieſigen Gymnaſium ertheilt hat, iſt mit Anfang des neuen Jahres als Stadtpfarrer nach Heppenheim verſetzt worden. Die allgemeine Achtung, die dieſem hochwürdigen Manne bei ſeinem Abzuge das Geleit gegeben hat, folgt ihm unſrerſeits um ſo mehr, da wir nicht bloß Zeugen ſeines erfolgreichen Wirkens waren, ſondern ihm auch zumeiſt mit verdanken, daß in confeſſioneller Beziehung in dem hieſigen Gymnaſium unter Lehrern und Schülern ſtets die vollkommenſte, niemals auch nur im Geringſten geſtörte Eintracht obgewaltet hat. Zu ſeinem Nachfolger am Gymnaſium iſt Caplan Dr. Voß beſtimmt worden, welcher über ſeinen Lebenslauf folgende Nachricht ertheilt. Die Stätte meiner Geburt iſt Bensheim an d. B., wohin wenige Zeit vor derſelben meine Eltern aus Asmannshauſen in Naſſau übergeſiedelt waren, und wo ich am 23. Septbr. 1825 das Licht der Welt erblickte. Nachdem ich auf dem dortigen Großh. Gymnaſium meine Studien vollendet, bezog ich 1845 die Univerſität Gießen, wo ich Theologie, Philoſophie und Philologie ſtudirte, und nach dem Beſuche von Freiburg und Bonn und abſolvirtem Facultätsexramen im Herbſte 1848 in das biſchöfliche Seminar zu Mainz eintrat. Hier verblieb ich 10 Monate und erhielt wegen des Todes des hochſeligen Biſchofs Kaiſer zu Limburg an d. L. die Prieſterweihe, worauf ich als Caplan nach Seligenſtadt beſonders für das dortige Progymnaſium decretirt wurde. Nach zwei und einhalbjährigem Wirken wurde mir durch die Munificenz Sr. Excellenz des bayr. Reichsrathes Freiherrn v. Franken⸗ ſtein zu Ockſtadt in Oberheſſen ein Beneficium, das ich drei und dreiviertel Jahre ver⸗ waltete, in welcher Zeit ich in Gießen promovirte und mich vielfach literariſch beſchäftigte. Dort erhielt ich einen Ruf nach Mainz als Verwalter der Pfarrei von St. Emmeran anfangs 1855, von wo mich das ehrende Vertrauen meiner Vorgeſetzten im Beginne dieſes Jahres hierher geſendet.— Um den Uebelſtänden auszuweichen, welche mit der Benutzung unſerer Localitäten wie in anderen Beziehungen ſo für den fraglichen Unter⸗ richt verbunden ſind, iſt derſelbe in eine dafür beſſer geeignete Localität der höheren Gewerbſchule verlegt worden, wo er den Schülern aus den 4 Oberelaſſen in Verbindung mit den katholiſchen Gewerbſchülern ertheilt wird. Die Schüler der Unterclaſſen erhalten ihren Unterricht mit den betreffenden Realſchülern vereinigt durch Hrn. Caplan Bayer in dem Schulhauſe der katholiſchen Gemeinde hierſelbſt.
Herr Oberconſiſtorialrath und Hofprediger Dr. Theol. Palmer, früher ganz unſerm Gymnaſium angehörig, hat durch die in ſeinen jetzigen Amtsführungen ihm obliegenden Geſchäfte ſich genothigt geſehen, ſeinen Unterricht am Gymnaſium mehr und mehr zu beſchränken, und wird von Oſtern d. J. an nur noch den Religionsunterricht in der erſten Claſſe beibehalten. In ſeine Stelle iſt Dr. Lucius eingetreten.
Herr Wilhelm Schmidt hat ſeinen Acceſſ am hieſigen Gymnaſium im vorigen Herbſt vollendet, Hr. Dr. Ludwig Wittmann aus Beſſungen vollendet ihn zu Oſtern d. J. Mit Oſtern tritt als Acceſſiſt für das mathematiſche Lehrfach ein Johann Karl Becker aus Mainz.


