Vorwort.
Nachfolgende Beſtimmungstabellen ſind, wie es wohl immer naturwiſſenſchaftlichen Arbeiten, die die einzelnen Erſcheinungen vor Allem berückſichtigen wollen, ergehen mag, das Reſultat längerer Be⸗ obachtung der darin behandelten Objecte— der Pflanzen— wie insbeſondere des daran geknüpften botaniſchen Unterrichts, deſſen Annehmlichkeiten wie Schwierigkeiten kennen zu lernen ich in meinem Wirkungskreis vielfache Gelegenheit hatte. An die letzteren vorzugsweiſe erlaube ich mir hier mit einigen einleitenden Worten zu erinnern.
Denn welcher Lehrer der Naturbeſchreibung wird leugnen, daß ihm, wenn irgendwo, gewiß in der Botanik eine überreiche Auswahl der anſchaulichſten Formen, das nothwendigſte Erforderniß des erſten Unterrichts, geboten, daß grade hier die Demonſtration an den natürlichen Gegenſtänden ſelbſt durch die faſt das ganze Jahr hindurch andauernde Zugänglichkeit derſelben ungemein erleichtert, daß das Intereſſe der Lernenden, ohne welches überhaupt kein Unterricht beſtehen kann, ſowohl durch Pracht und Anmuth der meiſten Arten auch unſerer Flora aufs natürlichſte erregt, wie auch durch die mit verhält⸗ nißmäßig geringer Mühe verbundene Befriedigung der Sammelluſt— des erſten Schrittes zur werk⸗ thätigen Naturforſchung— und die leichte Conſervirung des erworbenen„Inventars“*) zum Vortheil des Unterrichts gehoben werde?
Aber verdeckter und wie unter Blumenblättern verborgen liegen die Schwierigkeiten dieſes in der That mit ſo großen und freiwillig ſich darbietenden Hülfsmitteln ausgeſtatteten Lehrgegenſtandes.
Darum dieſes Vorwort, darum dieſe Tabellen.
Es liegt mir fern, allgemeine didaktiſche Bemerkungen— ſie würden im Weſentlichen die tauſend⸗ fältig gehörte und wohlbegründete Klage wiederholen, wie ſchwer das Lehren überhaupt ſei— voraus⸗ zuſchicken; ſelbſt an die unſerm Zeitalter zumeiſt angehörende und von dem naturwiſſenſchaftlichen Unter⸗ richt auf faſt alle andern Disciplinen ſegensreich ausſtrahlende Veranſchaulichungsmethode brauche ich, wiewohl nicht oft und nachdrücklich genug darauf hingewieſen werden kann, hier nicht zu erinnern.
Aber ein Vorurtheil, den botaniſchen Unterricht ſpeciell anlangend, das ſich von Lehrer zu Lehrer, von Lehrbuch zu Lehrbuch noch immer traditionell fortpflanzt, möchte ich hier um ſo entſchiedener bekämpfen, als ich die Ueberzeugung gewonnen habe, daß alle oben erwähnten Erleichterungen des frag⸗ lichen Unterrichts dadurch zum größten Theil paralyſirt werden, ja daß die Reſultate deſſelben in den meiſten Fällen in einem ſo bedeutenden Mißverhältniß zu der angewendeten Kraft ſtehen, daß ſich in und außerhalb der Schule Stimmen erheben könnten, welche dieſe liebenswürdige Wiſſenſchaft faſt nur als Liebhaberei gelten wollen laſſen und, da ſie nur einigen Berufsarten als ſpecielle Hülfe unentbehrlich ſei, aus dem ſchon ſo gliederreichen Cyklus unſerer Jugendbildungsmittel entfernen möchten.
*) Der materielle Beſitz iſt auch hier die erſte der zum geiſtigen aufwärts führenden Stufen.
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