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Die Lehrer⸗Bibliothek zählt dermalen erſt 150 Bände. Mit Anlegung einer Schüler⸗ Bibliothek iſt im verfloſſenen Jahre ein guter Anfang gemacht worden. Der Vorrath von Schulbüchern der bib liotheca pauperum reichte für das bisherige Bedürfniß aus.
Der vorhandene chemiſch⸗phyſikaliſche Apparat entſpricht vollkommen dem unterricht⸗ lichen Bedürfn iß. Auch die wichtigſten Meßinſtrumente ſind vorhanden. Der zoologiſche und mineralogiſche Unterricht wird von werthvollen Sammlungen, die, ſyſtematiſch geordnet, in zweck⸗ mäßigen Schränken aufbewahrt werden, unterſtützt. 193 ausgeſtopfte Vogelbälge in 120 Glaskaſten repräſentiren 128 europäiſche Species. Die recht inſtructive oryktognoſtiſche Samm⸗ lung zeichnet ſich durch Kryſtallreichthum aus. Bei Anlegung der petrographiſchen Sammlung hat das Vorkommen in der Umgegend und in den benachbarten Gebirgen beſondere Berüctſichtigung gefunden. Eine kleine Petrefacten⸗Sammlung ſetzt den Lehrer in den Stand, die Schüler einen Blick in das Gebiet der vorweltlichen Organismen thun zu laſſen. Mittels einer netten Waaren⸗Sammlung werden die Schüler mit vielen für Handel und Induſtrie wichtigen Natur⸗ produkten bekannt gemacht. Einen ähnlichen Zweck erfüllt die Chemikalien⸗Sammlung.
Die in hinlänglicher Anzahl vorhandenen Wandkarten und Globen für den geographiſchen Unterricht ſind meiſt neuere Anſchaffungen. Beim Zeichenunterricht werden gute Vorlegeblätter benutzt.
Am 18. April 1871 wurde mit 2 wackeren Schülern der Secunda die erſte Maturitäts⸗ prüfung abgehalten. Leider aber fielen die Leiſtungen der im Uebrigen„gut“ beſtandenen Schüler in einigen Unterrichtsfächern unbefriedigend aus, ſo daß der Anſtalt vorerſt noch nicht die Berechti⸗ gung zur Ausſtellung gültiger Abgangszeugniſſe zuerkannt werden konnte. In Folge hierdurch im Publikum über den Fortbeſtand der Schule entſtandener Zweifel, die ſich dauernd erhielten, traten im Laufe des Schuljahres und unmittelbar nach Schluß deſſelben ungewöhnlich viel Schüler aus und gingen dann zu Oſtern nur wenige neu zu. Auf Grund des Ergebniſſes der am 9. April 1872 mit 4 Schülern abgehaltenen Maturitätsprüfung hat jedoch der Herr Miniſter der geiſtlichen, Unterrichts⸗ und Medicinal⸗Angelegenheiten durch Erlaß vom 23. Mai 1872(U. 14,247) der Schule jene Berechtigung ertheilt, weshalb zu erwarten ſteht, daß nun für die hieſige höhere Bürger⸗ ſchule eine beſſere Zeit kommen werde. Hoffentlich wird es ſich ſchon bald ermöglichen laſſen, der Schule diejenige innere Einrichtung zu geben, welche erforderlich iſt, dieſelbe zu einer vollberech⸗ tigten, d. h. mit den entſprechenden Klaſſen einer Realſchule I. Ordnung gleichberechtigten zu machen.
Dr. Wagner.


