Aufsatz 
Über das Lectisternium / Wackermann
Entstehung
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Die Feier des Sedantages begann morgens mit einem Schulakt im Gymnasium, bei welchem Oberlehrer Dr. Wackermann in einer Rede die Schlacht von Beaumont, an welcher er selbst teilgenommen hatte, behandelte. Hierauf beteiligten sich wie seither Lehrer und Schüler an dem von dem Kriegerverein veranstalteten Zuge nach den Gräbern der im Kriege Gebliebenen. Mittags fuhr das Gymnasium mit einem Extrazuge unter zahlreicher Beteiligung der Angehörigen seiner Schüler nach Gelnhausen. Von dem Bahnhofe aus wurde in geschlossenem Marsche zuerst nach der alten Kaiserpfalz gezogen, wo der Direktor in einer Vergangenheit und Gegenwart ver- knüpfenden Ansprache ebenso den an dieser Stätte haftenden grossen historischen Erinne- rungen wie der Bedeutung des Tages gerecht zu werden versuchte; von da ging der Marsch nach dem im Walde unter der dankenswerten Leitung des Herrn Bürgermeisters Schöffer herge- richteten Festplatze. Ungeachtet des trüben und Regen drohenden Himmels entwickelte sich hier ein sehr fröhliches, durch mannigfaltige Spiele und Gesänge belebtes Treiben, bis die herein- brechende Dunkelheit demselben ein Ende machte. Der Extrazug führte abends sämtliche Fest- teilnehmer in einer von dem schönen und ungestörten Verlaufe des Festes freudig angeregten Stimmung nach Hanau zurück.

Am 6. September wurde die mündliche Reifeprüfung unter dem Vorsitze des Herrn Provinzialschulrats Dr. Lahmeyer abgehalten. Die schriftliche Prüfung hatte vom 12. bis 16. August stattgefunden.

Am 10. Oktober nahm das Wintersemester nach 14tägigen Ferien seinen Anfang. An diesem Tage trat Kandidat Karl Eichenberg von Hanau sein Probejahr an. Gleichzeitig eröffneten die auf ihr Ansuchen der Anstalt zur Beschäftigung überwiesenen Kandidaten Julius Menkel aus Homberg und Otto Eitel, von denen der erste sein Probejahr an dem Gymnasium zu Hersfeld, der letztere dasselbe hier abgeleistet hatte, ihre Thätigkeit als Hülfslehrer.

Am 13. November nahmen die evangelischen Lehrer und Schüler der Anstalt gemeinsam an der Feier des heiligen Abendmahls teil.

Die Weihnachtsferien erstreckten sich vom 23. Dezember bis zum 7. Januar.

Die Reifeprüfung wurde in ihrem schriftlichen Teile vom 1. bis 4. Februar, in dem münd- lichen am 1. März unter dem Vorsitze des Königlichen Kommissars abgehalten.

Am 16. Februar fand in der Aula des Gymnasiums eine von Gymnasiasten veranstaltete reich besuchte musikalisch-declamatorische Abendunterhaltung statt. Dieselbe ergab einen Ertrag von 125 Mk., welche dem Fonds der Jubiläumsstiftung Abt. 2 überwiesen wurden.

Freitag den 9. März kurz nach 11 Uhr traf in dem Gymnasium die offizielle Nachricht von dem Hinscheiden des Kaisers Wilhelm I ein. Der Unterricht wurde für den Tag sofort ausgesetzt und um 12 Uhr eine Andacht und Gedenkfeier gehalten, in welcher der Direktor dem Gefühle des tiefsten Schmerzes, der alle erfüllte, Ausdruck lieh.

Der Gesundheitszustand der Schüler war auch in diesem Jahre im ganzen ein günstiger, obwohl auch mehrere Gymnasialschüler von der in der Stadt verbreiteten Masernepidemie ergriffen wurden. Von Lehrern war nur Dr. Wolff durch wiederholte Erkrankung mehrere Wochen an Erteilung seines Unterrichts verhindert. Oberlehrer Ricker erhielt einen zweiwöchigen Urlaub zu einer Badekur. Ausserdem musste für Gymnasiallehrer Henkel wegen Krankheiten in seiner Fa- milie und wegen eigenen Krankseins im ganzen für 17 Tage Vertretung angeordnet werden.