Vorbemerkung.
Die Vorarbeiten zu der vorliegenden Abhandlung waren nahezu beendet, als der Verfasser durch einige kurze Besprechungen in der Zeitschrift des Harzvereins für Geschichte und Alter- tumskunde auf eine schon früher erschienene, denselben Stoff behandelnde Arbeit aufmerksam ge- macht wurde, welche in zwei Abteilungen, als Dissertation zu Halle und als Programmbeilage zu Schwerin, von G. Sellin veröffentlicht ist. Es war dem Verfasser nur möglich, sich in Besitz des zweiten Teiles jener Schrift zu setzen, welcher, als Programmabhandlung des Gymnasiums zu Schwerin 1870 erschienen, die Tätigkeit des Bischofs Burchard in der Geschichte des Reichs, sein Verhältniss zum Kaiser zum Gegenstande hat. Wenn trotz dieser verdienstlichen, gründlichen Arbeit der Verfasser des vorliegenden Aufsatzes die Veröffentlichung seiner Untersuchung nicht zurückgehalten hat, so geschieht es nicht, weil er den Wert der Arbeit seines Vorgängers unter- schätzte oder weil er wesentlich neue Resultate liefern könnte, sondern aus dem Grunde, dass er nicht in allen Stücken den in der Sellinschen Abhandlung eingenommenen Standpunkt zu teilen vermag und dass er, so sehr er auch das Wort anerkennt:„das Beste an der Geschichte ist die Begeisterung“, doch nicht ganz zu dem strengen Urteil, welches Sellin fällt, hat gelangen können. Zur Darlegung und Begründung seiner Ansicht, welche nicht die in zweifelhaftem Lichte erschei- nende Handlungsweise einer historischen Persönlichkeit zu rechtfertigen, sondern einen historischen Charakter zu erklären sucht, bedurfte es immerhin einer ausführlichen und zusammenhängenden Darstellung; und wenn somit der vorliegende Aufsatz in vielen Punkten nichts neues bringen kann, so wird er doch nicht sich den Vorwurf zuzichen, dass von Anderen getane Arbeit darin noch ein- mal getan sei, und wenigstens als Ergänzung früherer Behandlungen desselben Stoffes Berechtigung haben.— Ein praktischer Schulmann, der durch Berufsgeschäfte in so vielfacher und verschiedener Richtung in Anspruch genommen ist, muss sich ja genügen lassen, wenn es ihm gelingt, zum Ausbau der Wissenschaft einen wenn auch noch so anspruchslosen Baustein zu liefern.


