15
Mit dem Schluſſe des Som merſemeſters ſchieden aus dem Lehrercollegium die Oberlehrer Dr. Hart⸗ wig und Dr. Heußner, jener um das Directorat des Fürſtlich Waldeckiſchen Landesgymnaſiums zu Corbach zu übernehmen, dieſer in Folge ſeiner Verſetzung an das Gymnaſium zu Hanau.
Trotz der Ferien ſammelte ſich die ganze Anſtalt am 22. September wieder, um in Gemeinſchaft mit ſämmtlichen Schulen Caſſels Se. Majeſtät den Kaiſer feſtlich zu begrüßen und dem freudigen Dank gegen Gott für die glückliche Wiedergeneſung des theuerſten Kaiſers Ausdruck zu geben.
Das Winterſemeſter und mit ihm das neue Herbſt⸗Schuljahr wurde am 30. September eröffnet. Die durch den Abgang der oben genannten Oberlehrer eingetretene Vacanz wurde vom 1. October an durch Aufrücken ſämmtlicher nachfolgenden Lehrer wieder beſetzt. In Folge deſſen wurden der ordentliche Lehrer Dr. Heldmann zum Oberlehrer, und die Hülfslehrer Manns und Zülch zu ordentlichen Lehrern befördert. Außerdem wurde der Candidat des höheren Schulamtes Köhler zum Hülsslehrer ernannt.
Otto Köhler, geboren zu Vogelsburg bei Eſchwege am 10. September 1849, ev. Conf., beſuchte das Gymnaſium zu Hersfeld, ſtudierte Philologie in Leipzig und Göttingen, beſtand an letzterer Univerſität am 3. Februar 1877 die
Prüfung pro facultate docendi, leiſtete ſeit dem 5. März 1877 ſein Probejahr am hieſigen Gymnaſium ab und
blieb ſodann noch ein Semeſter lang auf ſeinen Wunſch an dieſer Anſtalt beſchäftigt.
Die alljährliche Abendmahlsfeier für die evangeliſchen Lehrer und Schüler des Gymnaſiums war am 3. November in der St. Martinskirche.
Vor Chriſttag wurde die Schule am 21. December mit einer beſonderen Weihnachtsandacht geſchloſſen; der Unterricht begann wieder am 6. Januar 1879.
Die Abiturientenprüfung zum Oſtertermine 1879 wurde in ihrem ſchriftlichen Theile vom 10. bis zum 15. Februar, in ihrem mündlichen Theile am 18. und 19. März unter dem Vorſitze des Directors abgehalten.
Am 16. Februar ſtarb zu Bayreuth der frühere Oberlehrer des hieſigen Gymnaſiums Ludw. Caſſelmann.
Am 10. März, dem Geburtstage der hochſeligen Königin Luiſe, fand eine muſikaliſche Abendunter⸗ haltung zum Beſten der Luiſenſtiftung ſtatt. Der Ertrag der freiwilligen Gaben belief ſich auf 242 Mark 90 Pfennig.
Der Geburtstag Sr. Majeſtät des Kaiſers und Königs wurde am 22. März in einer öffentlichen Schulfeier mit vaterländiſchen Geſängen und Declamationen feſtlich begangen. Die Feſtrede hielt Oberlehrer Dr. Lindenkohl über den Charakter des deutſchen Volkes, wie er ſich in deſſen Geſchichte zeigt.
Der Bibliothek und dem naturhiſtoriſchen Lehr⸗Apparate floſſen auch in dieſem Schuljahre manche Geſchenke zu, was mit gebührendem Danke gegen die Geber hier erwähnt wird. Die Abiturienten vom Herbſte 1878 ſchenkten der Anſtalt eine koſtbare ſeidene Schulfahne.
Die andauernde Ueberfüllung des Gymnaſiums, welche ſchon ſeit mehreren Jahren zur Abweiſung der größeren Hälfte der angemeldeten Schüler, insbeſondere aller auswärtigen Schüler, nöthigte, hat zu Verhand⸗ lungen mit der Stadt Caſſel geführt, in Folgen deren die Stadt dem Staate einen ſehr geeigneten Platz zur Errichtung eines zweiten, auf 700 Schüler berechneten Gymnaſiums geſchenkt und ihr Eigenthumsrecht an dem Lyceumsgebäude abgetreten hat. Es ſteht zu erwarten, daß nun in aller Kürze nicht nur eine Erweiterung des jetzigen Klaſſengebäudes, ſondern auch der Aufbau eines zweiten Gymnaſialgebäudes zur Ausführung gelangt.
Im Laufe des nächſten Semeſters, am 14. Augnſt d. J., gedenkt das Gymnaſium die Feier ſeines hundertjährigen Jubiläums als Lyceum Fridericianum feſtlich zu begehen.


