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II. Verfügungen des Küniglichen Proninzial-Schul-Collegiums zu Caſſel.
Caſſel, den 15. Juni 1878. Ein Miniſterialerlaß vom 13. Juni legt es den Lehrern der höheren Schulen an's Herz, ganz beſonders in der jetzigen ernſten Zeit in ernſter geiſtiger Arbeit, ſittlicher Selbſtbe⸗ herrſchung und idealer Lebensauffaſſung den Schülern voranzuleuchten, die religiös⸗ſittlichen Anlagen der Jugend durch Lehre und Beiſpiel zu entwickeln, den Sinn für Zucht und Ordnung zu wecken und zu kräftigen, die Liebe zu König und Vaterland zu hegen und zu pflegen.
Caſſel, den 25. Juni 1878. Nach einem Miniſterialerlaſſe vom 18. Juni ſind revaccinierte Schüler auf die Dauer von 14 Tagen, von der Vollziehung der Wiederimpfung an gerechnet, von den Turnübungen zu dispenſieren.
Caſſel, den 1. Auguſt 1878. Die Uebung eines regelmäßigen Vocabellernens, fleißiges Repetieren und geeignetes, zweckmäßiges Verwerthen der gelernten Vocabeln wird empfohlen.
Caſſel, den 30. Januar 1879. Der mathematiſche Unterricht ſoll in logarithmiſchen Rechnungen auf
fünf Decimalſtellen beſchränken.
III. Chronik.
Das Sommerſemeſter und mit ihm das neue Oſter⸗Schuljahr begann am 29. April 1878.
Das ruchloſe Attentat vom 2. Juni auf das Leben Sr. Majeſtät des Kaiſers verſetzte die Lehrer und Schüler der Anſtalt in tiefſte Trauer und bange Sorge; in beſonderen täglichen Gebetsverſammlungen erflehten die Lehrer und Schüler die Errettung des allgeliebten Kaiſers aus der drohenden Lebensgefahr und die baldige Geneſung des theuerſten Landesvaters; auch betheiligte ſich die geſammte Anſtalt an dem öffent⸗ lichen Gottesdienſte, welcher am 5. Juni aus gleichem Anlaſſe auf dem Friedrichsplatze abgehalten wurde.
Die Sommerferien begannen am 1. Juli und dauerten drei Wochen. An der während derſelben abgehaltenen Ferienſchule nahmen 43 Schüler Theil.
Am 26. Juli trat der Probe⸗Candidat Spieß zur Fortſetzung ſeines Probejahres und zugleich als Hülfslehrer zur Vertretung eines beurlaubten Lehrers ein.
Ludwig Spieß, geboren zu Schönbach bei Herborn am 12. Juli 1846, ev. Conf., beſuchte die Gymnaſien zu Wies⸗
baden und zu Weilburg, ſtudierte Theologie zu Erlangen, Jena, Tübingen und Herborn, beſtand am 6. Januar 1869
zu Wiesbaden die theologiſche Prüfung und am 10. April 1878 zu Bonn die Prüfung pro facultate docendi. Zu
Oſtern 1878 begann derſelbe ſein Probejahr am Gymnaſium zu Rinteln.
Die Abiturientenprüfung zum Herbſttermine 1878 wurde in ihren ſchriftlichen Theile vom 29. Juli bis zum 3. Auguſt, in ihrem mündlichen Theile am 3. September unter dem Vorſitze des Provinzial⸗Schul⸗ rathes Dr. Rumpel abgehalten.
Zur Feier des Sedanfeſtes betheiligte ſich die Anſtalt am 2. September Vormittags an dem von der Stadt Caſſel veranſtalteten Feſtzuge nach der Carlsaue und machte Nachmittags in Gemeinſchaft mit einer großen Anzahl von Angehörigen der Schüler einen Ausflug nach Wilhelmsthal.
Das Sommerſemeſter wurde am 7. September mit Andacht und Entlaſſung der Abiturienten ge⸗ ſchloſſen. Letztere war um ſo bedeutungsvoller, als mit derſelben die zu Oſtern 1871 begonnene Einrichtung von Wechſelcoeten ihren erfolgreichen Abſchluß fand.


