Das Leben und die pädagogiſchen Beſtrebungen
des
Wolfgang Ralichius. (Dritte Abtheilung.)*)
§. 13. Von Cöthen nach Magdeburg(22. Juni bis Juli 1620).
Von Cöthen aus hatte ſich Ratichius zuerſt nach Halle gewendet und hatte hier zwar bei ſeinem Freunde Evenius erwünſchte Aufnahme, aber ſehr wenig Hoffnung auf eine Beförderung oder Unterſtützung ſeines Werkes in dieſer Stadt gefunden. Schon am 29. Juni 1620 bittet er von hier aus ſeinen früheren Schüler und Collegen Johannes Stubenrauch, ihm alsbald für Rechnung des Rectors Evenius ein Exemplar von jedem in Cöthen gedruckten Buche zu ſchicken**). Zugleich ſpricht er in dieſem Briefe ſein herzliches Ver⸗ langen nach einer perſönlichen Zuſammenkunft mit ſeinen früheren Freunden Gueinzius und Stubenrauch aus. Nachdem dieſe beiden in Folge deſſen die Genehmigung zu einer ſolchen von dem Fürſten Ludwig ein⸗ geholt hatten, aber durch ſchriftlichen Befehl desſelben Fürſten vom 1. Juli 1620 zu großer Vorſicht ermahnt
*) Es dürfte vielleicht angemeſſen ſein, hier noch einmal den Plan meiner Arbeit über Ratichius anzudeuten. Die Schilderung des Lebens des Didaktikers ſoll mit der vorliegenden Abhandlung zum Abſchluß gebracht werden. Bei derſelben habe ich mich gefliſſentlich faſt ausſchließlich an die directen Quellen, alſo an die zu Gebote ſtehenden handſchriftlichen Akten ſowie an die in der betreffenden Zeit erſchienenen Druckſchriften gehalten, neuere Arbeiten aber zu benutzen, mir möglichſt verſagt. Zu⸗ nächſt wird nun die Schilderung der Vorläufer des R. folgen; an dieſe wird ſich reihen die Darſtellung der Lehrart des R., hiernächſt eine Schilderung der„Natichianer“ und des Ratichianismus, wie ſich derſelbe in der pädagogiſchen Literatur und in der Schulgeſchichte einzelner Länder(vorzüglich Anhalt, Weimar und Gotha), Städte und Schulen gezeigt hat. Endlich wird eine genaue Bibliographie der Ratichianiſchen Literatur folgen. Ich gehe daher für jetzt auf die vielleicht erwartete Beſchreibung und Kritik der in Cöthen unter R. bearbeiteten und theilweiſe herausgegebenen literariſchen Arbeiten noch nicht ein.
*) Es iſt offenbar der oben II. S. 13 genannte Rudolf Stubenrauch gemeint, obgleich ihn R. jetzt Johannes anredet. Insbeſondere wünſcht R. folgende Bücher:„Encyclopaediam, ſo drierley getrucket, Latin vnd teütſch.— Metaphysicam.— Physicam.— Logicam.— Rhetoricam.— Gramm. specialem.— Terentium teütſch.— Die Ordnung der Capittel Inn der Heils⸗ vnd Wandelslehr, Mit den Tabellen geſchrieben, dauon Bernhardus Gesenus mit Euch geredet.“


