Aufsatz 
Das Leben und die pädagogischen Bestrebungen des Wolfgang Ratichius : 2. Abteilung
Entstehung
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Fürſt Johanns Georgen zu Sandersleben, den Fürſt Christian zu Bernburg, weitter Fürſt Augusto zu Plötzkaw, vnd endtlichen Fürſt Rudolffen auch mündtlich entdeckett worden, mitt der brüderlichen anzeige, das Ihre Liebden ſamptt vnd ſonders der ſachen reifflich nachſinnen, mitteinander daraus ſich bereden, vnd ob wir gebrüdere ingeſamptt, oder ich alleine ihn erfordern ſoltte, ſich erkleren woltten.

Bey allen den gebrüderen habe ich zwartt geſpürett, das ihnen dis fürbringen anmuttig geweſen, aber zur geſampten beruffung haben ſie deſſen noch zur Zeitt bedencken gehabtt, weill die perſon ihnen vnbekantt geweſen, vnd es dahin geſtellett, was ich, weill ehr es bey mir erſt anbrachtt, darin thuen wollte, würde doch, do etwas Nutzbahres erlangett, Ihren Liebden auch mitt zum beſten kommen.

Dannenhero ich endtlich bewogen worden, ihm Ratichium, zufolge dem Verlaß vnd ſeiner vertröſtung, noch in demſelben 1616. Ihare anhero zu erfodern*). Worauff ehr ſich eutſchuldiget**), das er wegen etzlicher ſachen, ſo ehr nottwendig auffs pappier zu bringen, dismal nichtt erſcheinen köntte. Folgendes neues Ihar aber 1617***) hatt ehr wieder geſchrieben, vnd mir anheim geſtallett, da ſeine Herauskunfft mir zu lange fallen ſoltte, ob ich iemandes zu ihme abzufertigen geſinnet, denſelben woltte ehr anleitung geben, ettwas mittler Zeitt zu verrichten. Welches aus erheblichen bedencken vnd verhinderungen mich verurſachet, den ſachen bis zu anderer gelegenheitt einen anſtandt zu geben.

Nun hatt ehr ſich, ſeiner zu Reda geſchehener vertröſtung nach, in dieſem 1618. Ihare freytags den 10. Aprilis alhier zu Cöthen eingeſtellet, vnd ſeine entſchuldigung eingewendett, welche fürnemlich vnter andern dieſer erhebligkeitt, das, weill ehr noch von niemande gewuſt, oder eintzigen menſchen gekantt, der ihm von ſeiten vnſers fürſtlichen hauſſes mittarbeiten helfen köntte, ehr ſich vmb einen ſolchen Man vmbgethan, auch denſelben verhoffentlich alſo gefunden, das ehr ihn beſſer hieher nichtt fürzuſchlagen wüſte: Welchen ehr im vorigen 1617. Jhare zu Baſell angetroffen, vnd noch in dieſem aldar gelaſſen, heiße Magister Ludouicus Lucius, der geburtt von Baſell, ſey ein Zeitt lang zu Amberg an der Schule geweſen, habe auch vnter andern ein büchlein, deſſen tittell Christiana theologia, im Ihar 1606. aldar laſſen ausgehen, anietzo professor Organi Aristotelis in der Academi zu Baſell, darneben ein ſehr gutter Hebraicus vnd Graecus, Fürſt Christiani Liebden woll bekannt, habe ſich auch dahin erklerett, wen ehr von S. L. gefodertt wurde, dero vnd dem gantzen fürſtlichen Hauſſe Anhalt in dieſem Chriſtlichen fürhaben vutertheniglich gerne zu dienen, auch ſich alsdan auff handelung zu verpflichten, ſtettig in dieſem Dienſt zu verharren. Von dem modo ſeiner vocation, vnd auff was Iharbeſoldung ehr zu beſtellen, kan hernacher gemeldett werden, wofern man mitt dem hauptt⸗ werck einige.

Anietzo aber iſt anzuzeigen, was in ſeiner anweſenheitt alhier zu Cöthen ehr davon für berichtt gethan. Vnd hatt ehr ſich, Als den Didacticum, gleich einem kunſtreichen baumeiſter fürgeſtellett, der zwartt ſeinen baw nicht alleine rechtt woll in ſeinem gemuitte gefaſſet, ſondern auch deſſen vnterſchiedene Modell für ſich zubereitett hatt, welche alle zwart an ihnen ſelbſten richtig, aber doch ohne Darreichung behufiger Ma- terialien vnd Handtanlegung anderer nottwendigen wergkleutte, als Maurer, Zimmerleutte vnd dergleichen, deren ieder das ſeine, nach des Baumeiſters anleitung zu verrichten, nichtt zu wergke ſetzen kan. Dieſe wergkleutte und mittarbeiter nun bittett vnd begherett ehr von Chur, Fürſten, graffen, herren vnd Stätten, die dem Modell ſeines Baues, zum theill, als aus dem gröbeſten gebrachtt, rechtt eingenommen, denſelben

*) Mit dem Schreiben des Fürſten Ludwig vom 25. Auguſt 1616 erging gleichzeitig eine Einladung von dem Fürſtlich Anhaltiſchen Rathe Stallmann zu Cöthen an R. in Frankfurt. Stallmann ließ ſchon damals ſeine Kinder nach der Didaktik durch Abr. Ulrich unterweiſen.

**) d. d. Frankfurt 30. Sept. 1616. In dieſem Briefe ſagte er ſeine Ankunft in Cöthen auf ſpäteſtens Neujahr 1617 an. ***) d. d. Frankfurt 31. Dec. 1616.