Reste der alliteration im Nibelungenliede.
Die angriſfe, welche die ansichten Lachmanns über das Nibelungenlied in jüngster zeit haben erfaren müszen, haben bis ietzt, wenn si auch im einzelnen hier und da berechtigt und begründet sind, eins nicht widerlegen können, die gesamtansicht Lachmanns über die entstehung des liedes. mag man von modernen ansichten ausgehend es genemer finden, das ganze gedicht einem einzigen zuzuschreiben, mag man das urteil Lachmanns über das alter der handschriften aus der beschaffenheit derselben zu widerlegen suchen— die feinen, ins einzelnste gehenden beobachtungen Lachmanns über die unterschiede der einzelnen lieder, wie über die unterschiede zwischen den einzelnen strophen werden nicht durch eine kritik der handschriften des Nibelungenliedes, nicht durch eine gegen einzelne diser beobachtungen gerichtete kritik widerlegt werden;— si würden nur widerlegt werden können durch eine eben so ins einzelnste und sich über das ganze lied erstreckende betrachtung, welche die einheit und gleichheit der verschiedenen teile des Nibelungenliedes nachwiese(Lachm. z. den Nib. s. 5). ein solcher nachweis ist bis ietzt noch nicht gelifert und es ist wol nicht zu vil behaup- tet, wenn ich es gleich von vorn herein ausspreche, dasz ein solcher nachweis auch schwer- lich ie geliefert werden wird. denn ich hege die bestimte erwartung, dasz die angriffe auf Lachmann seine meinung, indem si ir falsche stützen entziehn, nur um so fester stellen wer- den, und dasz die gerade durch dise angriffe neu angeregte eingehendere betrachtung des Nibelungenlieds, wenn si wirklich auf das einzelnste eingeht, die ansichten Lachmanns bestä- tigen wird.— die folgenden blätter, in denen ein schüler versucht, den spuren des meisters zu folgen, den er immer noch gern und freudig seinen meister nennt, können villeicht nach diser richtung gerade einen kleinen beitrag geben und ich will heralich zufriden sein, wenn diser schwache versuch denen, welche glauben, mit Lachmann fertig zu sein, eine erinnerung sein könnte, dasz si doch wol zu vil gewicht auf die auszenwerke des Lachmannschen„baues“ legen. dasz es kein blindes iurare in verba magistri ist, was mich in diesem streite auf Lach- manns seite treten läszt, das wird, hoffe ich, der verlauf meiner untersuchung deutlich genug beweisen.
Die aufgabe diser blätter erlaubt es mir nicht, näher auf disz ietzt so vil verhandelte
thema einzugehn, villeicht ist es mir an einer andern stelle möglich.*) es genügt für mein
got, in den Jahnschen jarbüchern demnachst erscheinenden recension von Zarnckes vortrag: Zur
*) in einer, wils g
Nibelungenfrage.
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