Aufsatz 
Isaak Casaubonus : aus den Bekenntnissen dieses protestantischen Gelehrten des XVI. und XVII. Jahrhunderts / von Alexander Vial
Entstehung
Einzelbild herunterladen

- 32.

ich. ¹1) Aber darin wenigstens waren sie von einander verschieden, dass Casaubonus sich schon lange des Weines enthielt, währendder König mässig lebte, wenn er des Tags nur einmal betrunken war.

Der König empfing Casaubonus aufs Gnädigste, hiess ihn willkommen in seinem Reiche und sagte darauf zu ihm, er würde sich glücklich schätzen, wenn er es er- reiche, dass er ihn sein Vaterland vergessen machen könne. Alsbald fing er dann an mit ihm über die neusten theologischen Controversschriften zu verhandeln, welches Gespräch er noch über Tisch hin ausdehnte, bis er zuletzt auf die neuen schottischen Bischöffe zu sprechen kam. Natürlich war Casaubonus von solch einem gelehrten Könige wie von einem zweiten Salomo ganz erbaut, besonders da derselbe auch am folgenden Tage mit so viel Sachkenntnis über Tacitus, Plutarchus und andere Schrift- steller des Altertums zu sprechen wusste. ²2) Als er nun gar einem anglicanischen Gottesdienst mit einer Abendmahlsfeier beigewohnt und diesen seinem Geschmack und seiner Vorliebe für das Altertümliche viel entsprechender gefunden hatte wie den nüchternen reformierten in Frankreich ³), da liess er es sich gern gefallen, dass ihm der König auf Betrieb des Erzbischofs von Canterbury das Anerbieten machte, ihn auf längere Zeit oder ganz bei sich behalten zu wollen, wenn ihm seine Königin den Urlaub dazu ertheile. Doch auch diesen wusste der König schon durch seinen Gesand- ten zu erwirken. Er sorgte auch dafür, dass Casaubonus den Wechsel seiner Stellung in materieller Hinsicht nicht zu beklagen hatte, indem er ihm zwei Pfründen, eine in Canterbury und die andere in Westmünster mit einer jährlichen Revenüe von zwei- tausend Pfund übertrug und ausserdem eine jährliche Besoldung von abermals zwei- tausend Pfund verwilligte.

So nun von der Königin von Frankreich dem König Jacob auf längere Zeit ge- borgt liess Casaubonus auch seine Familie nachkommen. Seine Dibliothek wollte man freilich in Paris nicht verabfolgen, weil man ihn damit am ehesten wieder zurück- tigen zu können glaubte. Dies hinderte jedoch nicht, dass er sich in der ersten Zeit ausser- ordentlich wol in seiner neuen Lage und in dem fremden Lande befand, obwol er

1) Eph. II. 782. ²) Eph. II. 785. 786. ³) Freilich meinte er auch einmal, dass mit den reicheren Formen des anglicanischen Cultus viel-

leicht auch allzuviel Qualm(nimium ο) verbunden sei. Eph. p. 845.