Aufsatz 
Isaak Casaubonus : aus den Bekenntnissen dieses protestantischen Gelehrten des XVI. und XVII. Jahrhunderts / von Alexander Vial
Entstehung
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Es wäre gewiss an der Zeit, dass auch die Verdienste eines solchen Mannes eine ähnliche erneuerte Würdigung fänden, wie die J. J. Scaligers durch J. Bernays.

Bis diese jedoch erscheint, beschränken wir uns darauf für jetzt hier nur auf die Stellung aufmerksam zu machen, welche der fromme Mann den verschiedenen con- fessionellen Strömungen an den zwei Königshöfen gegenüber einnahm. Da er nach Art der calvinisch ¹ eſormierten nicht etwa zur Selbstbespiegelung, sondern zur Selbst- überwachung 1 buch schrieb und dieses unter dem Titel Ephemerides Isaaci Casauboni von Jon. ussel 1850 in Oxford herausgegeben worden ist ¹), so sind wir in den Stand geseizt, nicht blos seine äusseren täglichen Verrichtungen mustern, son- dern auch in sein Herz und in das Getriebe der Gedanken hineinblicken zu können, die sich da unter einander verklagen oder entschuldigen, indem sie sich betend zu Gott wenden.

9 Die Frömmigkeit des Isaak Casaubonus. Es war ganz natürlich, dass Isaak Casaubon, der Sohn des frommen und über-

aus thätigen calvinischen Geistlichen, der das Kirchenwesen seiner Provinz fast allein und in den Zeiten der wütendsten Verfolgungen aufrecht erhielt ²), selbst wieder ein

1) Diese Ephemerides, welche nach dem Tode des Casaubonus von dessen Sohn NMericus der Bi- bliothek zu Canterbury vermacht und später theilweise Almeloveen zur Benutzung fär die Vita Casauboni(Epistolae Casauboni ed. Th. J. ah Almeloveen. Amstel. 1709.) mitgetheilt wurden, beginnen mit dem 18. Februar 1597, gerade mit dem Tag, an welchem Casaubonus 38 Jahr alt wurde, und schliessen, nachdem das vierte Fascikel, welches die Zeit vom Januar 1604 bis zum 21. Juni 1607 umfasste, verloren gegangen ist, erst mit dem 16. Tage vor dem Tode, dem 18. Juni 1614. Sie sind in schönem Latein geschrieben, das zwar nicht frei von Gallicismen ist, aber doch in einer fliessenden, reichen und lebendigen Diotion besteht. Geradezu erhaben wird die mit griechischen Ausdrücken vermischte Sprache in den herrlichen Geburtstags- und Neu-

jahrsbetrachtungen, deren jede einen Hymnus bildet.

²) Ep. Nr. 879. ed. ab Almeloveen 1709.