Aufsatz 
Die Fläche, welche durch Rotation eines Kreises um eine beliebige Axe entsteht / von Uth
Entstehung
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glauben, ſo unterſcheidet ſich das Kind und der Ungebildete von dem wiſſfenſchaftlich gebildeten Manne doch eben dadurch, daß jene nicht wiſſen, ſondern nur glauben, dieſer dasegen ſein Glauben unterſucht und in Wiſſen zu verwandeln beſtrebt iſt.

Anders aber auf dem Gebiete der übernatürlichen Wahrheiten; denn was über die Natur des Körperlichen und des mit dem Körper engverbundenen menſchlichen Geiſtes hinausliegt, das vermag unſere Vernunft aus ſich ſelbſt nicht zu erkennen.So gewiß als die menſchliche Vernunft nicht die göttliche iſt und ſo gewiß es über der endlichen Vernunft eine unendliche gibt, ſo gewiß iſt keine Kraft geſchaffener Natur im Stande das Uebernatürliche aus ſich zu wiſſen und zu begreifen. Das Ge⸗ ſchöpf mag über ſeinen Schöpfer nachdenken, aber ſich nicht vermeſſen, ihn ergründen zu wollen. Gleich⸗ wie die Sinne des Koͤrpers für ſich allein nur zur Empfindung und Wahrnehmung der äußern Dinge, niemals aber zum Urtheil über dieſelben führen, ſondern wie es dazu ſchon des menſchlichen Ver⸗ ſtandes und der Vernunft bedarf, und wie jene vollends über unſere Seele und unſern Geiſt uns nicht belehren können, weil alles Immaterielle ſich ihnen ganz entzieht: ſo kann auch die menſch⸗ liche Vernunft, die höchſte ſelbſt und ausgebildetſte, aus ſich allein niemals zur Erkenntniß des göttlichen Weſens und aller außerhalb oder über ihrer Sphäre gelegenen Wahrheiten kommen. Ihre Kraft muß zu dieſem Ende durch das Licht der göttlichen Vernunft, die in ſie hineinleuchtet, ergänzt und gehoben werden, durch die übernatürliche Kraft des Glaubens, der ein Ausfluß der göttlichen Gnade und Liebe iſt. Durch ſte wird unſere ſchwache menſchliche Vernunft alsdann ge⸗ wiſſermaßen über ſich ſelbſt hinausgetragen; der Glaube verleiht ihr Schwingen, welche ſie über die zwiſchen dem Natürlichen und Uebernatürlichen, dem Endlichen und Unendlichen gähnende Kluft hinwegheben. Hier alſo hört für den Menſchen das Gebiet des Wiſſens auf und fängt die Grenze des Glaubens anz und der Einſichtsvollſte und Weiſeſte ſelbſt unterſcheidet ſich von dem Kinde hier nur inſoweit, als jener weiß, daß er glauben muß, dieſes hingegen glaubt, weil es noch nicht zweifeln kann. Darum hat die wahre Philoſophie niemals wie der wißbegierige Jüngling zu Sais in das Heiligthum der chriſtlichen Myſterien ſich hineingedrängt, ſondern in be⸗ ſcheidener Selbſterkenntniß die Grenzen geachtet, welche Gott dem menſchlichen Geiſte geſetzt hat; ſie hat die Geheimniſſe der Offenbarung, die ſie nicht begreifen kann, durch den Glauben geehrt, der nicht, wie mancher ſelbſtgefällig denken mag, ein unbegründetes Meinen und Fürwahrhalten oder ein bloßer Ausdruck des religiöſen Gefühles, ſondern, um mit Pascal zu reden, auch eine That, ja gerade die höchſte That der Vernunft iſt, die im Bewußtſein der eigenen Endlich⸗ keit und Beſchränkung auf wiſſenſchaftlichem Wege und mit einer allen vernünftigen Zweifel aus⸗ ſchließenden Gewißheit die Wahrheit und Wirklichkeit der Offenbarungsthatſache erkennend, von der ſiegenden Macht der Wahrheit genöthigt, frei dem Offenbarungsinhalte zuſtimmt.