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wäre dann der Inhalt oder das Volumen des Eiſencylinders, wie man durch Rechnung leicht finden kann, 2,375 Kubikzoll, während das Volumen des Bleicylinders nur 1,629 Kubikzoll be⸗ tragen würde. Bei gleichem Gewichte haben alſo Eiſen und Blei ein verſchiedenes Volumen; daraus ergibt ſich dann leicht, daß ſie bei gleichem Volumen verſchiedenes Gewicht haben müſſen. Verkürzen wir nämlich den kleinen Eiſencylinder um 9,49 Linien, ſo hat er dann gleiche Höhe und Durchmeſſer mit dem Bleicylinder. Daß aber nun die Gewichte nicht mehr gleich ſein kön⸗ nen, iſt klar.— 72 744413.
Durch ähnliche Betrachtungen wie die, welche wir ſo eben über Blei und Eiſen angeſtellt haben, ergibt ſich das allgemeine Reſultat, daß feſte Körper bei gleichem Gewichte ungleiches Volumen und bei gleichem Volumen ungleiches Gewicht haben. Dasſelbe gilt aber auch von Flüſſigkeiten. Ein Schoppen Waſſer wiegt gerade 1 Pfund, ein Schoppen Rüböl nur 29,4 Loth, ein Schoppen Spiritus zwiſchen 26 und 27 Loth, ein Schoppen Schwefelſäure(Vitriolöl) 1 ¾ Pfund und ein Schoppen Queckſilber 13 ½ Pfund. Endlich finden wir auch bei den luftartigen Körpern oder Gaſen einen Unterſchied im Gewichte bei gleichem Volumen. Ein Kubikfuß Luft hat nämlich ein Gewicht von 2 ½¼ Loth, während ein Kubikfuß Leuchtgas im Durchſchnitt nur 1 Loth wiegt.
Forſcht man nach dem Grunde, weshalb gleiche Volumina verſchiedener Körper ein ungleiches Gewicht haben, ſo könnte man zuerſt meinen, die Anziehung der Erde, wodurch ja die Erſcheinungen der Schwere bedingt werden, ſei eine verſchiedene für die einzelnen Körper; es werde z. B. ein Kubikzoll Blei anders von der Erde angezogen als ein Kubikzoll Eiſen. Wenn dieſe Annahme richtig wäre, ſo müßte auch ein Kubikzoll Blei, ſich ſelbſt überlaſſen, mit einer größeren Geſchwindigkeit zu Boden fallen als ein Kubikzoll Eiſen. Dies iſt aber nicht der Fall; man hat im Gegentheil beobachtet, daß alle Körper im luftleeren Raume gleich ſchnell fallen, daß alſo alle auf dieſelbe Art von der Erde angezogen werden. Wollen wir alſo eine Erklärung für die Verſchiedenheit des Gewichts bei gleichem Volumen, ſo müſſen wir annehmen, daß in demſelben Raume das eine Mal mehr Subſtanz, mehr Stoff enthalten iſt als das andere Mal, daß die einzelnen Bleitheilchen z. B. enger an einander geſchoben ſind, dichter zuſammenſtehen als die Eiſentheilchen, und daß dadurch mehr ſolcher kleinſter Bleitheilchen in einem Kubikzoll Blei enthalten ſind, als Eiſentheilchen in einem gleichgroßen Raume. Wir müſſen alſo dem ſchwereren von zwei Körpern eine größere Dichte zuſchreiben. Dies iſt der Grund, warum häufig ſtatt Schwere das Wort Dichte oder Dichtig⸗ keit gebraucht wird. Beide Begriffe ſind nicht gleichbedeutend, allein die Schwere iſt eine Folge der Dichte. Wenn man daher erforſcht hat, welcher von zwei Körpern der dichtere iſt, ſo kennt man damit auch den ſchwereren, und umgekehrt.
Hält man den Begriff der größeren Dichte des Kubikzolles Blei feſt, d. h. der größeren Summe von kleinſten Bleitheilchen in demſelben Volumen, ſo iſt daraus, wenn man zugleich annimmt, daß die kleinſten Theilchen der verſchiedenen Stoffe von der Erde gleich ſtark angezogen werden, leicht erklärlich, warum dieſer Körper ſtärker auf ſeine Unterlage drückt, d. h. ſchwerer iſt, als ein Kubikzoll Eiſen.
Einige Schwierigkeit würde jetzt nur noch darin liegen, zu erklären, warum das Blei nun nicht ſchneller fällt. Schneller?— Das Blei müßte ja jetzt im Gegentheil langſamer fallen, wenn wir uns die Anziehungskraft der Erde ſo dächten, wie z. B. die Zugkraft eines Pferdes. Denn dieſelbe Kraft ſetzt einen Körper um ſo lang⸗ ſamer in Bewegung, je größer die Maſſe desſelben iſt. Die Anzahl der kleinen Maſſentheilchen iſt aber nach unſerer Erklärung im Blei größer als im Eiſen(immer bei gleichen Volumen), folglich müßte Blei langſamer fallen als Eiſen!! Dieſe Schwierigkeit hebt ſich aber leicht, wenn wir bedenken, daß die Anziehung eben anders wirkt als die Zugkraft eines Pferdes. Die Erde zieht jedes kleine Blei⸗ und Eiſentheilchen gleich ſtark an. Denken wir uns nun, da das Gewicht des Eiſens zu dem des Bleies ſich ungefähr wie 7 zu 11 verhält, in einem Kubikzoll Eiſen 700 kleine Eiſentheilchen, in einem Kubikzoll Blei dagegen 1100 kleine Bleitheilchen, ſo zieht die Erde allerdings das Blei ¹, mal ſo ſtark an als das Eiſen, dafür ſind aber auch in dem Blei ¹½ mal mehr Maſſentheilchen zu bewe⸗ gen, ſo daß der Ueberſchuß von Anziehungskraft ausgeglichen wird durch die größere Summe anzuziehender Theil⸗ chen, daher bewegen ſich die beiden Metallſtücke gleich ſchnell. Dächten wir uns eine Laſt von 700 Centnern, vor


