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Elektriſche Leitung:
In dem Pedellzimmer iſt ein tableau angebracht, nach welchem Drähte von dem Amtszimmer des Direktors, den Arbeitszimmern der Lehrer der Chemie und Landwirtſchaft, dem Hörſaale der Chemie, ſowie der Phyſik und von dem mineralogiſchen Kabinet geführt ſind. In dem Schranke, der die Batterie für die elektriſche Leitung enthält, iſt gleichzeitig eine Batterie von verbeſſerten Leclanché-Elementen an⸗ gebracht, die einen ſtarken Strom liefern, der nach den Chemieräumen und dem Hörſaale der Phyſik durch beſondere Doppeldrähte geführt iſt und dort jederzeit zu Verſuchen verwendet werden kann.
Waſſerleitung:
Aus dem in dem Vorhofe befindlichen Brunnen wird durch Pumpwerk Waſſer in ein 5 kbm großes Reſervoir, das ſich auf dem Speicher des nördlichen Flügels befindet, geſchafft. Von dem Reſervoir geht ein Leitungsrohr in den nördlichen Flügel abwärts, in jedem Stock mit einem Hahne und Becken verſehen, ſo daß dort Waſſer abgezapft werden kann, und iſt in jedem Stocke nach dem Lehrerabort, ferner in dem untern Stocke nach dem Hörſaale der Chemie, nach dem chemiſchen Laboratorium, nach dem Arbeitszimmer des Chemielehrers und nach dem mineralogiſchen Kabinet geführt. Außerdem geht eine Abzweigung nach der Direktorwohnung. G97
as:
In der nördlichen Ecke des größeren Schulhofes iſt aus Porphyrſteinen ein Gashäuschen zur Her⸗ ſtellung von Gas für die Schule errichtet. Dasſelbe iſt in zwei Räume geſchieden; in dem einen iſt die Heizvorrichtung, in dem andern der Gaſometer, der ein Volumen von etwa 4 kbm beſitzt, und der Reinigungsapparat aufgeſtellt. Die zur Gasanlage nötigen Apparate wurden von der Maſchinenfabrik von Heinrich Hirzel in Leipzig⸗Plagwitz bezogen und auch von derſelben aufgeſtellt. Das Gas wird aus Teeröl, das von der Fabrik in Meſſel geliefert wird, gewonnen und von dem Gaſometer in Gasröhren nach den Chemie⸗, Mineralogie⸗ und Phyſikräumen geleitet und dort bei den Verſuchen in den Unterrichts⸗ ſtunden und beim praktiſchen Arbeiten verwertet. Außer bei einer Lampe in dem Zimmer des Chemielehrers wird das Gas als Leuchtkraft nicht benutzt. Vielmehr iſt die Schule mit neuen ſehr hell brennenden Triumphlampen ausgeſtattet. Übrigens kommt, da im Winter der Unterricht an unſ'rer Anſtalt ſchon um 1 ½ Uhr beginnt und mit Abkürzung der Pauſen ſchon kurze Zeit nach 4 Uhr ſchließt, das Arbeiten bei Licht nur ſelten vor. Die Gasanlage mußte, weil unſ're Landwirtſchaftsſchüler in der Chemie praktiſch zu arbeiten haben, für ein unbedingtes Erfordernis gelten.
Räume für Chemie:
Im Intereſſe der Landwirtſchaftsſchule wurde in der Anlage der inneren Räume beſondere Rückſicht auf die Chemie genommen. Das chemiſche Laboratorium enthält 21 Arbeitstiſche für Schüler mit voll⸗ ſtändiger Ausſtattung, einen Verbrennungsherd mit Verbrennungsofen und Aufſatz zum Trocknen von Sämereien und Erden, ein Trockengeſtell für Cylinder, eine Ablaufvorrichtung und ein Waſſertrommel⸗ gebläſe; der Fußboden iſt asphaltiert. Zwiſchen dem Laboratorium und dem UÜnterrichtsſaal für Chemie iſt eine Abdampfniſche, die mit Gas und Waſſer verſehen iſt. In dem Unterrichtszimmer befindet ſich ein Experimentiertiſch, der mit Bleiplatte, Abzugsrohr für ſchädliche Gaſe, Ausgußbecken und Vorrichtung zur leichten Verbindung mit der elektriſchen Batterie ausgeſtattet iſt, ein Vorbereitungstiſch, Trockengeſtell, Schränkchen für Reagentien, Kartenſtänder.
Heizung:
Als Ofen ſind für die Unterrichtszimmer, ſowie für das Zimmer des Chemielehrers und für das Lehrerzimmer Amerikaner nach Lönholdt's Syſtem aus der Eiſengießerei von Buderus zum Teil mit, zum Teil ohne Ventilation, die nach dem Vorplatze geht, gewählt. In dem mineralogiſchen Kabinet, Chemiehörſaal, chemiſchen Laboratorium, Zimmer des Chemielehrers und Phyſikſaal ſind je 1 Circulationsofen (Sanitätsofen) von Möhrlin aus Stuttgart angebracht; die Turnhalle iſt mit 2 ſolcher Ofen(ohne Ven⸗ tilation), der Zeichenſaal mit 2 Möhrlin⸗Ofen und einem Regulierfüllofen ausgerüſtet. Das Wartezimmer für den Pedellen, das Vorzimmer der Bibliothek, das Amtszimmer des Direktors, das phyjikaliſche Kabinet, das chemiſche Kabinet, die Arbeitszimmer des Phyſiklehrers und des Landwirtſchaftslehrers werden durch Regulierfüllöfen geheizt.
Ventilation: Fuür die Ventilation der Luft in den Unterrichtszimmern iſt an je 2 Fenſtern in den einzelnen Zimmern eine bequeme Vorrichtung zum Aufklappen eines oberen Teiles des Fenſters angebracht. Außer⸗ dem gehen Luftzüge aus den Zimmern nach dem Luftſchacht.


