IV
Das ſtattliche, weithin ſichtbare Gebäude iſt aus Porphyrſteinen, die als rohe Bruchſteine an einander gefügt ſind, in deutſchem Renaiſſance⸗Stile erbaut. Auf breiten tief gehenden Fundamenten ſind rote behauene Sandſteine aufgeſetzt, auf die dann die Porphyrſteine folgen. Quaderſteine aus rotem Sand⸗ ſteine bilden einen ſchönen Abſchluß der Seitenkanten. Die 4 bis zu einer Höhe von 25 m ſich erhebenden Hauptgiebel ſind mit reicherem architektoniſchem Schmucke aus rotem Sandſteine geziert. Der Grundriß bildet eine Hufeiſenform von 46 m Länge und 24 m Breite. Zwiſchen den beiden vorſpringenden Flügeln befindet ſich ein mit einem eiſernen Gitter auf der Weſtſeite eingefriedigter und durch ein eiſernes Thor zugänglicher Vorhof, durch den man zum Portal des Mittelpunktes und zu der Haupttreppe der Schule gelangt. An der Oſt⸗ und Nordſeite iſt das Gebäude von dem Schulhofe umgeben; derſelbe iſt durch Mauern und durch ein eiſernes Thor, durch das man von der Stadt aus in den Hof gelangt, eingeſchloſſen. An der Südſeite iſt der Bau von dem Garten der Direktorwohnung begrenzt. Vom Vorhofe aus zur Rechten kommt man in die im ſüdlichen Flügel befindliche Direktorwohnung, zur Linken nach der Neben⸗ treppe für die Schule und nach der Pedellenwohnung. Die im ſüdlichen Flügel ſich befindende Turn⸗ und Feſthalle hat eine Länge von 18 m, eine Breite von 10 m und eine Höhe von 5 ½ m und iſt von Weſten durch eine Vorhalle zugänglich, neben der ein Zimmer für Turngeräte, reſp. für Garderobe, gelegen iſt. Der Deckenkonſtruktion der Halle mittels Längs⸗ und Querträgern entſpricht eine Einteilung der Wände durch Pfeiler, ſo daß zur feſtlichen Ausſchmückung des Innern nur ein geringer Aufwand an Stuckaturarbeiten nötig war. Das durch große Bogenfenſter eintretende Tageslicht macht den Saal hell und freundlich; ein hübſcher Parquetfußboden trägt zur Verſchönerung bei. Die Turngeräte, faſt ſämtlich neu angeſchafft, ſind in ausreichender, zweckentſprechender Weiſe gewählt. Sowohl zur Turnhalle, als auch zum Mittelbau führt ein zweiter Eingang an der Oſtſeite des Gebäudes.
Die Turnhalle konnte nicht unterkellert werden, während unter dem übrigen Bau gewölbte Räume ſich befinden, von denen eine Waſchküche und 2 Keller zur Direktorwohnung gehören, ein Raum für Auf⸗ bewahrung von Chemikalien, ein anderer für Unterbringung der Kohlen der Schule benutzt wird.
Der erſte Stock enthält noch einen Hörſaal für Chemie mit teraſſenförmig aufſteigenden Sitzreihen, in Verbindung hiermit ein chemiſches Laboratorium mit 24 Arbeitsſtänden, ein Arbeitszimmer für den Chemielehrer und ein chemiſches Kabinet, außerdem einen Saal für Mineralien und für praktiſches Arbeiten in der Chemie, einen Lehrſaal für die Vorſchule und ein Zimmer für den Pedellen. Vom 1. Stock führt in dem Bau eine ſteinerne Treppe zur Turnhalle herab.
Im 2. Stock ſind 4 Säle für Realklaſſen, 1 Saal für die Landwirtſchaftsſchule, 1 Saal für Phyſik, an den ſich ein Arbeitszimmer für den Phyſiklehrer und das phyſikaliſche Kabinet anreiht, das Amtszimmer des Direktors, die Bibliothek mit heizbarem Vorzimmer, ein großer Saal für Aufenthalt der Lehrer und zur Abhaltung der Konferenzen. Das Amtszimmer iſt von der Schule ſowohl, als von der zur Direktorwohnung führenden Treppe aus zugänglich.
Der Hörſaal für Phyſik wurde, damit die Lehrer der Phyſik und Chemie ungehindert ihre Apparate aufſtellen können, nicht mit dem der Chemie vereinigt. Zum bequemen Dunkelmachen des Saales ſind hölzerne Rolläden, die mit Leinwand überzogen ſind, angebracht.
Der 3. Stock faßt einen großen Zeichenſaal mit beſonderem Raume für Modellzeichnen, 2 Lehr⸗ ſäle für die Realſchule, 2 Lehrſäle für die Landwirtſchaftsſchule, ein Arbeitszimmer für den Landwirt⸗ ſchafts⸗ und Naturgeſchichtslehrer, daran anſtoßend einen Saal für die Sammlungen aus dem Gebiete der Landwirtſchaft, Zoologie und Botanik. In dem 3. Stocke und in dem Dachſtocke des ſüdlichen Flügels befindet ſich die Direktorwohnung, in dem Dachſtocke des nördlichen Flügels die Pedellenwohnung und daran anſtoßend ein Bodenraum für ältere Sammlungen. 1
Das Dach iſt mit Schiefer gedeckt. 8 m über den Dachfirſt des Mittelbaues erhebt ſich ein Dach⸗ reiter mit zwiebelförmiger Kuppel, in der eine Glocke angebracht iſt. Letztere ſteht mit der Turmuhr in Verbindung; das Zifferblatt befindet ſich in einer kreisförmigen Offnung an der Oſtſeite des Speichers und iſt von dem unterhalb gelegenen Schulhofe aus ſichtbar.
Zum Schutze gegen Blitzſchlag iſt das Gebäude mit einem Blitzableiter mit 5 Auffangſtangen, von denen eine in eine auf dem Türmchen befindliche Wetterfahne ausläuft, verſehen.
Helle, breite, freundliche Vorplätze, an deren Wänden für die Schüler Kleiderhaken angebracht ſind, und in denen Schirmgeſtelle ſtehen, finden ſich in den einzelnen Stockwerken und ſind geräumig genug, um die Schüler in den Pauſen bei ſchlechtem Wetter bequem aufnehmen zu können. Von der ſteinernen mit eiſernem Geländer verſehenen Haupttreppe des Mittelbaues gelangt man durch Flügelthüren, an denen ſich Glasfenſter befinden, nach den Vorplätzen. Ebenſo ſind letztere von der hölzernen Treppe des nörd⸗ lichen Flügels durch Flügelthüren abgeſchloſſen.


