Aufsatz 
Alexander Vinet, seine Wirksamkeit und seine Bedeutung als Literarhistoriker
Entstehung
Einzelbild herunterladen

61

Haus und Schule Hand in Hand gehen! Es iſt nicht die rechte Liebe zu den Kindern, die hier verheimlichen zu müſſen meint, um dem Schüler zu erſparen, was ihm doch ſelten erſpart bleibt. Es ſoll ſich ja nicht ſowohl um Tadel und Strafe handeln, als vielmehr um die Möglichkeit einer beſ⸗ ſernden Einwirkung, und dieſe iſt nur auf Grund einer genauen Kenntniß der Individualität möglich.

Die Veranlaſſungen zu den vorjährigen Bemerkungen über Eintritt und Austritt der Schüler ſind gleichfalls ſte⸗ hen geblieben. Ich muß wiederholen, daß die Schule, da ſie einmal im Beſitze von Elementarklaſſen iſt, ihre Schü⸗ ler am liebſten mit vollendetem 6. Jahre, ohne Vorkennt⸗ niſſe, eintreten ſieht. Ein Eintritt in die mittleren Klaſ⸗ ſen iſt innerlich und äußerlich mit Schwierigkeiten verbun⸗ den, weil die Klaſſen alle mehr als vollzählig ſind, und weil der Unterrichtsgang anderer Anſtalten natürlich nicht auf unſere Schule Rückſicht nehmen kann. Ganz entſchieden aber muß ich mich gegen das zu frühzeitige Lernen der Kinder erklären: vor dem 6. Jahre ſollte an Unterricht in keiner Weiſe gedacht werden.

Kleinkinderſchulen mögen in großen Städten unentbehr⸗ lich geworden ſein, aber ſie ſind ein überaus ſchwieriges Unternehmen, und verlangen tiefe pädagogiſche Erkenntniß von ihren Vorſtehern. Wie aber die übliche Miſchung zwiſchen Spiel und Ernſt, die frühzeitige Dreſſur zu einigen ſcheinbaren Fertigkeiten in der Regel wirkt, da⸗ von kann ſich Jeder überzeugen, der ein ſolches ſpieleriſch träumendes oder auch unkindlich überreiztes Kind in ſei⸗ ner ſpäteren Jugendgeſchichte und im Verhältniſſe zu an⸗ deren Kindern zu beobachten Luſt und Gelegenheit hat.

Eine andere Bemerkung betrifft den Austritt der Schü⸗ ler, namentlich der Knaben, aus der Schule: derſelbe fin⸗