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ſpruch der Ueberzeugung, ſondern führt auch zur Heuchelei. Die Trennung von Kirche und Staat iſt daher die einzige Bürgſchaft, welche die Geſellſchaft zur Sicherſtellung des Prinzipes geben kann.
Es iſt nicht unſere Abſicht, in den uns ſo eng gezo⸗ genen Gränzen auf Vinet's theologiſche und erbauliche Werke näher einzugehen, wenn wir auch nicht umhin konn⸗ ten, ſeiner meiſten Streitſchriften zu erwähnen, da ſie gleich⸗ ſam Denkmäler ſeines fortſchreitenden Geiſteslebens, und durch innere Bewegung und Umgeſtaltung ſeines Vater⸗ landes hervorgerufen, ſo zu ſagen hiſtoriſch geworden ſind. Vinet's theologiſche Vorleſungen an der Akademie zu Lau⸗ ſanne umfaßten die Gebiete der Homiletik, Katechetik, Pa⸗ ſtoraltheologie, Exegeſe, Geſchichte der Kanzelberedſamkeit und noch ein ihm eigenthümliches Gebiet, welches er„prak⸗ tiſche Philoſophie des Chriſtenthums“ benannte. Zugleich ſah er ſich veranlaßt, als Stellvertreter ſeines langjährigen Freundes Monnard von 1844 bis 1846, über die Geſchichte der franzöſiſchen Literatur des 17., 18. und 19. Jahr⸗ hunderts, ſo wie über die politiſche und gerichtliche Bered⸗ ſamkeit in Frankreich, Vorträge zu halten.
Vinet's Einfluß auf die ſtudirende Jugend war von unberechenbarem Segen. Liebe und Hochachtung erfüllte Alle, die mit dem bedeutenden, nicht bloß reichbegabten, ſondern auch eben ſo charakterfeſten Manne in Berührung kamen. Er verſchmähte allen falſchen Nimbus, womit ſo manche in der öffentlichen Meinung hochſtehende Perſonen ſich umgeben, der jedoch bei näherer Bekanntſchaft bald in Nichts zerfließt. Als was er erſchien, das war er auch in der That; jedes Wort aus ſeinem Munde war Wahr⸗ heit und der unverhohlene Ausdruck ſeines edlen Geiſtes. Er vergaß über der Sache, die er mit allen Kräften ver⸗


