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Ouchy hinab, wo Lord Byron ſeinen„Gefangenen von Chillon“ dichtete. In dem dortigen, von dem feuchten Hauche der Seeluft verwitterten Zollthurme, wurde Alexander Rudolph Vinet, zweiter Sohn eines Landſchullehrers, am 17. Juni 1797 geboren. Als im darauffolgenden Jahre das Waadtland ſich von Bern losriß und einen beſonderen Kanton bildete, verſah Vinet's Vater das Amt eines Sekre⸗ tärs im Departement des Innern. Sein älterer Bruder, ein Knabe lebhaften Temperaments, der jedoch frühzeitig. ſtarb, wurde dem ſtillen, träumeriſchen und in ſich gekehrten Alexander von dem wohl etwas parteiſſchen und allzuſtren⸗ gen Vater, der ſelbſt die Erziehung ſeiner Kinder leitete, vorgezogen. Zum Prediger beſtimmt, ſtudirte derſelbe auf der Akademie in Lauſanne Theologie, wiewohl Neigung und Taleut ihn mehrfach zur Poeſie und Literatur hinlenkten. Eine bei Beerdigung des Profeſſors Dürand von ihm am 19. April 1816 gehaltene Grabrede gab Zeugniß von ſei⸗ nem früh reifenden Talente. Den Sommer desſelben Jah⸗ res verlebte er bei den Eltern des ſpätern Staatsraths Jaquet, der damals ſein Schüler war. Als er eines Abends den Gliedern dieſer Familie ein Trauerſpiel von Corneille vorlas, ward er ſo mächtig von der Schönheit der Dichtung ergriffen, daß Thränen ſeine Stimme erſtickten und er das Zimmer verlaſſen mußte.
Nach Gründung eines Vereins für bibliſche Forſchungen im Jahre 1817, und nach Vollendung ſeiner theologiſchen Studien wurde der zwanzigjährige Vinet als Profeſſor der franzöſiſchen Sprache und Literatur nach Baſel an das dor⸗ tige Gymnaſium und Pädagogium berufen und dem bishe⸗ rigen Kreiſe ſeiner Freunde und Studiengenoſſen entzogen, von denen ſich zu trennen ihm ſehr ſchwer fiel. Zwei Jahre ſpäter beſtand er in Lauſanne ſein theologiſches Examen,


