Aufsatz 
Das deutsche Gymnasium in Olmütz. Geschichtlicher Rückblick : 3. Fortsetzung.
(1631-1650.)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

16

Kolleg kam, empfing ihn zuerst Trompetenklang beim Aussteigen aus dem Wagen; beim Eintritte in die Schulräume begrüßte die akade- mische Jugend, welche ihm entgegenging, und welche in Klassen, wie in Kompagnien eingeteilt war, in militärischer Ordnung den hohen Gast, indem einer für alle und je einer für die einzelnen Klassen Worte an ihn richtete. Die patres und fratres, ebenfalls in Reihen auf- gestellt, empfingen den Erzherzog im Innern des Klosters und der Rektor Paulus Anastasius hielt eine angemessene Rede. An der erz- herzoglichen Tafel saßen beim Mahle die Domherrn, der Rektor des Kollegiums und der Beichtvater des fürstlichen Gastes; in den Neben- räumen war den Schülern das Mahl bereitet. Die dreistündige Auf- führung einer Komödie folgte hierauf, von den Akademikern und den Schülern des Gymnasiums in der Aula besorgt. Der Inhalt war aus dem Leben der sieben Leopolde Osterreichs, der Markgrafen und der Herzoge der Babenberger und Habsburger, welche durch Tugen- den und herrliche Taten hervorleuchten, genommen. Alle Vorzüge einer gelungenen Aufführung waren zu Tage getreten präzise Sprache, reichhaltige Handlung und eine glänzende Ausstattung, so daß dieselbe allgemeinen Beifall fand. Seine Anerkennung ließ der Erzherzog den neun vornehmsten Darstellern durch UÜberreichung von goldenen Ringen mit Edelsteinen, den übrigen 200 mitwirkenden Schülern durch ein reichhaltiges Gastmahl, das auf seine Kosten bereitet wurde, ausdrücken.

Als er sich von dem Kollegium verabschiedete, versprach er demselben ausdrücklich seine dauernde Gewogenheit. Dieselbe tat sich kund, als er im Kriegslager in Thüringen(1641) sich der Olmützer Studenten erinnerte und verfügte, daß unter seinen Auspizien jährlich 100 lmperiales zur Anschaffung von Prämien, welche unter die Schul- jugend verteilt werden sollen, verwendet werden. Schon vorher (1630) schuf er eine Stiftung für 12 Jünglinge, welche zum Nachwuchs der Seelsorge herangebildet werden sollten. Diese Stiftlinge wurden

mit den päpstlichen und kaiserlichen Alumnen im Kollegium der

Konviktoren vereinigt. Doch wurde später die Zahl derselben infolge der Kriegsnöten auf 6 herabgemindert.

Einen andern Anlaß zur künstlerischen Betätigung gab den Studierenden des Gymnasiums und der Akademie der Besuch einer kaiserlichen Prinzessin in den Räumen des jesuitenkollegiums(1637.) Auf der Reise nach Polen wurde die Schwester des Kaisers Ferdinand III., die Braut des Königs Wladislaw von Polen, Cäcilia Renata in Begleitung der Claudia Medici, des Bruders des Königs von Polen Kasimir, des Bischofs von Polen Johannes Lipskins u. a. von dem ganzen Kollegium und der studierenden Jugend ehrerbietigst begrüßt. Ein Triumpfbogen ward errichtet an dem Tore des Gebäudes, groß- artig durch seine Ausstattung und sehenswert durch seine Föhe.