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darſtellt? Soll das keine Polemik gegen Paulus ſein?(cf. Gal. 3, 6. Röm. 4, 3.) Wie kommt es, daß er das fernliegende Beiſpiel der Rahab für ſeinen Zweck herbeizieht? Soll das nicht eine Kontroverſe ſein gegen den von einem Pauliner verfaßten Hebräerbrief, der 11, 31 ſagt, daß Rahab ihrem Glauben ihre Rettung bei dem Untergang der Ungläubigen verdankt habe, ſofern ſie nämlich im Vertrauen auf die dem Volk Israel von Gott gegebene Verheißung ſeiner Herrſchaft über Kanaan die Kundſchafter aufnahm? Und klingt nicht der Ausdruck in V. 22 xiorts bwfpſst ro?s 5ots wie ein abſichtlicher Widerſpruch gegen Gal. 5, 6 xiaris t“ ne Syeooeyn(c es¹), indem dort die nioris zur Neben⸗ ſache gemacht wird, während ſie bei Paulus die Hauptſache iſt?
Dem ſei, wie ihm wolle, der beſprochene Abſchnitt des Jakobusbriefes behält ſeine große Be⸗ deutung gegenüber der Üüberſchätzung einer religiöſen Theorie, indem ſie den Chriſten ihre Verpflichtung zu Thatbeweiſen ihrer religiöſen Geſinnung vorhält(cf. Jeſu Wort, Mt. 7, 21), aber die Lehre des Paulus von der Rechtfertigung durch den Glauben widerlegt und korrigiert er nicht, denn er ſtellt beide Begriffe mit einem Inhalt erfüllt dar, den ſie bei Paulus nicht haben, und verrät einen engen Zuſammenhang mit der jüdiſchen Rechtfertigungslehre, während Paulus deren gerades Gegenteil lehrt.
Es möchte jetzt faſt ſcheinen, als ob die Lehre des Paulus bezüglich der Rechtfertigung durch den Glauben von der altchriſtlichen abweiche, da ſie nicht einmal an der Anſchauung des neuteſtamentlichen Schriftſtellers eine Stütze finde, der allein außer ihm die Begriffe„Glaube“ und„Rechtfertigung“ auf einander bezieht. Wenn letzteres auch richtig iſt, ſo iſt doch das Recht des eben geäußerten Bedenkens damit nicht erwieſen. Wir werden uns nun davon überzeugen, daß die Lehre des Heilandes der pauli⸗ niſchen als Grundlage diente.
Unſer Blick richtet ſich zunächſt auf die Erzählung vom Phariſäer und Zöllner Luk. 18, 9—14. Gegenüber dem ſelbſtgerechten Phariſäer, der Gott ſeine Leiſtungen aufzählt und ihm dafür dankt, daß er nicht ſo ſchlecht ſei, als andere Leute, ſich alſo nach einem ganz falſchen Maße beurteilt, und darum ſelbſt gefällt, zeigt er uns in dem Zöllner, der geſenkten Hauptes, mit der Hand ſeine Bruſt ſchlagend vor dem Höchſten ſteht und nur die Worte ſpricht:„Gott ſei mir Sünder gnädig“ das Bild und zugleich Vorbild wahrer Demut. Und von dieſem demütigen Sünder ſagt er weiter:„Dieſer ging hinab gerecht⸗ fertigt vor jenem, denn, wer ſich ſelbſt erhöhet, der ſoll erniedrigt werden und, wer ſich ſelbſt erniedrigt, der ſoll erhöhet werden“.
Daß drnaoby hier nur im Sinn der Gerechterklärung vonſeiten Gottes gebraucht wird, iſt durch die ganze Situation klar, welche ein Urteil Gottes, vor dem beide Perſonen erſchienen, bedingt; V. 14 drückt ja auch ganz beſtimmt aus, daß es ſich hier um eine Änderung des Wertes der Perſon vor Gott, nicht etwa durch Gott handelt(cf. über rαναιõ Mt. 12, 37. Luk. 16, 15, wo es auch
r„für gerecht erklären“ heißen kann). Es handelt ſich aber hier nicht etwa um eine Rechtfertigung in dem früher geſchilderten Sinn, den die Juden damit verbanden, alſo nicht um die Anerkennung wirk⸗ lich vorhandener Gerechtigkeit durch den gerechten Bundesgott, denn der Zöllner redet nicht von ſeiner Gerechtigkeit(cf. Pſ. 18, 21. 22. 7, 9), auch nicht von Gottes Gerechtigkeit(cf. Pſ. 35, 24), auch von keinem beſonderen, auf ſeiner Seite liegenden Beweggrund für Gott, ihm zu vergeben(Ccf. Pſ. 51, 5. 7), ſondern er bezeichnet ſich ſchlechthin, ohne jeden Rückhalt als„Sünder“ und empfiehlt ſich nur der Gnade Gottes, nur von ihr, nur von Gottes freier Liebe erwartet er die Vergebung. Und nicht nur dieſe wurde ihm zu teil, ſondern Gott erklärte ihn auch für einen Gerechten, weil er in ſolch großer Demut nur von ſeiner Enade ſein Heil erwartet hatte; er rechnete ihm das aus der Demut hervorwachſende Vertrauen auf ſeine Gnade allein als wirkliche Gerechtigkeit an. Oder ſollte ſein Vertrauen auf Gottes Gnade weniger gelten, weil es noch nicht durch den Glauben an Chriſti Erlöſungswerk geſtützt iſt? Sollten wir uns daran ſtoßen, daß ſeine Rechtfertigung auf ſein demütiges Vertrauen auf Gottes Enade ſchlechthin gegründet wird? Ich glaube nachgewieſen zu haben, daß der rechtfertigende Glaube des Paulus die Demut zur notwendigen Vorausſetzung hat. Was ein Menſch an


