III Chronik.
1. Veränderungen im Lehrerkollegium.
Mit dem Ablauf des vorangegangenen Schuljahres beendete Herr Dr. Eugen Meyer sein Probejahr. Er blieb auch weiterhin als wissenschaftlicher ülfslehrer an der Anstalt thätig, indem ihm ein Teil der Mehrstunden übertragen wurde, die aus der Teilung der Obersekunda sich ergaben.
Herr Professor Dr. Schütz, dem mit Rücksicht auf seine angegriffene Gesund- heit für das Sommerhalbjahr eine erhebliche Unterrichtserleichterung gewährt war, wurde bald nach den Sommerferien von einem Augenübel befallen, das ihn nôtigte seinen Unter- richt ganz einzustellen. Zu unserem grossen Bedauern machte die Besserung nur sehr langsame Fortschritte und so musste Herr Prof. Dr. Schützsich für das ganze Winterhalbjahr beurlauben lassen. Zu seiner Vertretung wurden die Herren Ankel, Knoegel und Dr. Meyer herangezogen, denen wir für ihre bereitwillige und erfolgreiche Unterstützung den besten Dank sagen. Für etwas längere Zeit war auch Herr Keil gegen Schluss des Sommerhalbjahres durch Krankheit seiner Berufsthätigkeit entzogen. Im übrigen war der Gesundheitszustand im Lehrerkollegium ein befriedigender, wenn auch vorübergehende Er- krankungen, meist katarrhalischer Art, namentlich in den Wintermonaten vielfach vorkamen.
Von einem schmerzlichen Verluste wurde die Anstalt betroffen: am 12. November starb unser hochverehrter früherer Kollege. Herr Professor Dr. Israel-Holtzwart. Erst im Herbst des vorbergehenden Jahres hatte er, gezwungen durch ein ernstes Leiden, dem er lange mit bewundernswerter Willensstärke widerstanden hatte, das aber schliesslich die äusserste Schonung zur unabweisbaren Pflicht machte, einer Thätigkeit entsagt, an der er mit allen Fasern seines Herzens hing. Wir hegten damals die Hoffnung, daſs es dem aus dem engeren Verbande unserer Anstalt Scheidenden vergönnt sein werde, von der anstrengenden und aufreibenden Berufsarbeit befreit, neue Kräfte zu sammeln und durch seine hervorragenden Kenntnisse und seine reiche Erfahrung noch auf lange hinaus der Wissenschaft und der Schule zu nützen. Diese Hoffnung ist leider nicht in Erfüllung gegangen. Schon im Laufe des Sommers traten besorgniserregende Krankheitserscheinungen auf und ein längerer Aufenthalt in Karlsbad hatte nur vorübergehende Wirkung. Im Anfang November nahm dann die Krankheit eine so bedrohliche Wendung, dafſs von vornherein jede Möglichkeit eines günstigen Verlaufs ausgeschlossen war. Am 15. November wurden die sterblichen Reste des Dahingeschiedenen zur letzten Ruhe bestattet. An dem Leichenbe- güngnis nahm das gesamte Lehrerkollegium und die Schüler der oberen Klassen teil; auch die Lehrer und Schüler des Goethe-Gymnasiums und der Musterschule, an der der Ent- schlafene lange Jahre bis zu seinem UÜbergang an das Städtische Gymnasium gewirkt hatte, folgten dem Sarge; ihnen schloſs sich eine überaus grosse Zahl von Leidtragenden aus allen Kreisen der Stadt an. Am Grabe hielt Herr Konsistorialrat Dr. Ehlers eine ergreifende Trauerrede, er entwarf in grofsen Zügen ein Bild des Lebens und Wirkens des Dahin-
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