Aufsatz 
Die Montabaurer Amtsbeschreibung des Hofrats Damian Linz, geschlossen den 31. Dezember 1786 : 2. Teil
Entstehung
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Durch Verfügung des Königl. Provinzialſchulkollegiums vom 14. April 1909 wurde der Herr Kandidat Hermann Wagner mit der Vertretung des zur Wiederherſtellung ſeiner Ge⸗ ſundheit beurlaubten Herrn Prof. Eiſel beauftragt. Nach den Sommerferien wurde er bis zum Ende des Probejahres die erſte Hälfte hatte er am Realgymnaſium in Wiesbaden ab⸗ geleiſtet am hieſigen Gymnaſium belaſſen.

Am 1. September fand eine Vorfeier des Sedantages in der Gymnaſialturnhalle ſtatt; verbunden wurde damit die Erinnerung an den vor 1900 Jahren von den Germanen im Teutoburger Walde erfochtenen Sieg. Die Feſtordnung lautete:

1. Kaiſerlied vom Männerchor geſungen. 2. Siegesgeſang der Deutſchen nach der Varusſchlacht v. F. Dahn (Deklamation). 3. Prophezeihung der Thusnelda aus Halm:Der Fechter von Ravenna(Deklamation). 4. Die Huldigungsſcene aus Wildenbruchs Quitzows. 5. Lichtbilder(Befreiungskriege 1813 1815). 6. Epiſoden aus der Schlacht bei Sedan nach dem Berichte des engliſchen Militärſchriftſtellers A. Forbes. 7. Heil dir im Siegerkranz.

Statt der ſonſt üblichen Turnfahrt wurde aus Anlaß des in der Nähe ſtattfindenden Manövers am 11. September der Unterricht ausgeſetzt, damit die Schüler an den Übungen als Zuſchauer teilnehmen könnten und ſo der geſunde militäriſche Sinn zur Förderung der Wehr⸗ kraft in der Jugend erhalten werde.

Am Schluſſe des Sommerſemeſters ſchied Herr Zeichenlehrer und Kunſtmaler Hegemann aus ſeiner hieſigen Stellung, die er ſeit dem 1. April 1906 bekleidete, um eine ähnliche Stelle am Wöhler⸗Realgymnaſium in Frankfurt am Main zu übernehmen. Die Anſtalt iſt ihm be⸗ ſonders zu Dank verpflichtet für ein in Lebensgröße ausgeführtes Bild Seiner Majeſtät des Kaiſers, das er zur Ausſchmückung der Turnhalle dem Kaiſer Wilhelms Gymnaſium als Geſchenk überwieſen hat.

Für das Winterſemeſter wurde der Direktor zu einer Studienreiſe nach Kleinaſien, Griechen⸗ land und Italien beurlaubt und dem dienſtälteſten Profeſſor für dieſe Zeit die Leitung der Anſtalt übertragen.

Herr Kandidat Wagner wurde als Hilfslehrer beſchäftigt und Herrn Pfarrer Eberling der evang. Religionsunterricht(für Herrn Oberlehrer Beckey, der anderweitig beſchäftigt wurde), ſowie dem Herrn Subregens Dr. Keller der lateiniſche Unterricht in Sexta übertragen.

Herr Kandidat Eduard Reichwein wurde durch Verfügung vom 5. Oktober 1909 dem Gymnaſium zur Ableiſtung des vorſchriftsmäßigen Probejahres überwieſen.

Am 10. November als dem 150 jährigen Geburtstage Schillers wurde in der Aula eine Feier veranſtaltet; ausgewählte Gedichte und Lieder des großen Dichters wurden vorgetragen und in einer Rede darauf hingewieſen, was das deutſche Volk den Werken Schillerſcher Dicht⸗ kunſt zu verdanken hat.

Am 11. November nahm das Gymnaſium in corpore an dem Trauergottesdienſt und der darauf folgenden Beerdigung des am 7. November verſtorbenen Gymnaſialdirektors a. D. Herrn Dr. Bernhard Werneke teil. Von Herbſt 1874 bis Oſtern 1896 hat er die Anſtalt geleitet und durch ſeinen edlen Charakter, ſein tiefes Wiſſen und ſeine hervorragenden pädago⸗ giſchen Eigenſchaften ſich ein ehrenvolles Andenken geſichert.

Am 25. November ſtarb zu Oberrad bei Frankfurt a. M. Herr Pfarrer Anton Eyſert, der von 1870 1890 Religionslehrer der Anſtalt geweſen war. Das Lehrerkollegium ſchickte einen Vertreter zu ſeiner Beerdigung; am 3. Dezember wurde ein feierliches Seelenamt für ihn gehalten. Er wird als tüchtiger, pflichttreuer Lehrer und liebenswürdiger Kollege im Andenken aller, die ihn kannten, fortleben.

Der Geburts⸗ und Todestage unſerer verewigten Kaiſer Wilhelm I. und Friedrich III. wurde durch Anſprachen in den einzelnen Klaſſen gedacht.

Der Geburtstag Sr. Majeſtät Kaiſer Wilhelms II. wurde nach einem in einer Konferenz feſtgeſetzten Programm feſtlich gefeiert. Um 9 Uhr fand Feſtgottesdienſt ſtatt; um 10 ½ Uhr begann in der geſchmückten Turnhalle der Feſtaktus, wozu Behörden und Bürger in großer Anzahl erſchienen waren. Die Feſtrede hielt Herr Profeſſor Dr. Marx. Das von Sr. Majeſtät zum Allerhöchſten Geburtstage als Prämie geſchenkte WerkDeutſchlands Seemacht von Wislicenus wurde dem Primaner Kurt Franzke verliehen. Die Feſtordnung lautete: