Aufsatz 
Bruchstücke einer alten Kellereirechnung : [für die Schlösser Montabaur, Hartenfels und Molsberg]
Entstehung
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8.

qnae incumbunt edificiis per totum annum cuilibet caballo IIIIr leidas facit in

universo XXIIIIc leidas. Summa XLVI leidae.

Summa totalis LVII)(57 ½) leidae. let quarta pars]. 3

Die Zeit der Abfassung obiger Rechnung kann ziemlich genau festgestellt werden. Ein Rulmann Stultz unterschrieb als Zeuge und Montabaurer Schöffe einen Kaufbrief vom 10. September 1365, und ein Amtmann von Hartenfels 5 Urkunden in der Zeit von 1370 1383. Hartenfels kam i. J. 1249, Maxsain i. J. 1340, Molsberg i. J. 1365 an Kurtrier. Kaiser Karl IV. zog 1376 mit seinem Sohne Wenzel nach Aachen, um ihn zum römischen Könige krönen zu lassen.

Die Schrift könnte beim ersten Anblick auf das vorhergehende Jahrhundert weisen. Indes ein im Wiesbadener Staatsarchiv aufbewahrter Kaufbrief vom 10. Sept. 1365 zeigt ähnliche Schriftzüge. Güter in und bei Montabaur werdenhern berwiche von Monthabur, canoniche desz Stifftes sente Florine zu Covelentze verkauft. Durch eine andere Urkunde, dieBerwich von Monthabuyr, senger zu sente Florine zu Covelentze am 19. März 1387 selbst ausgestellt hat, legt er krankheitshalber sein Amt als Kellner von Montabaur nieder und vergleicht sich wegen rückständiger Frucht- lieferungen mit dem Erzbischof von Trier.

Ohne Zweifel stammt obige Göttinger Handschrift aus dem Jahre 1376 oder 1377. Es dürfte wohl kaum eine ältere Rechnung aus dem Amte Montabaur in lateinischer Sprache vorhanden sein. Die Rechnungen in den sog. Saal- und Rentenbüchern sind deutsch geschrieben und jüngeren Datums.*)

Wie die Urschrift nach Göttingen gekommen ist, läßt sich aus folgenden Zeilen vermuten, die ich der Königl. Bibliothekverwaltung in Göttingen verdanke.

Der Band, aus dem das Montabaurer Fragment stammt, wurde hier auf einer am 5. August 1765 vom Buchhändler Bossiegel abgehaltenen Auktion gekauft. Er enthält ein Ex libris des Joh. Mich. a Loen, von dem anscheinend der Vermerk her- rührt: Ex Bibliotheca Hiegeliana ad me profecta M- 1724. Am oberen Rande des Schmutzblattes steht ein alter Besitzvermerk aus der Zeit um 1500, leider dick durch- strichen. Lesbar ist noch: Liber fratrum carthusiensium domus montis sancti prope...... Das letzte Wort(hinter prope) glaubt Herr Prof. Wilh. Meyer lesen zu können Confluentiam.

Man darf daher annehmen, daß es sich um das Coblenzer Kartäuserkloster handelt, das auf dem Mons S. Beati, der heute nach der Kartause genannten Höhe über Coblenz, lag. Am 9. Oktober 1794 wurde die Kartause auf dem Berge geräumt und am 2. Juli 1802 der Convent ganz aufgehoben.

*) Vgl.Die Kellnerei des kurtrierischen Amtes Montabaur, nach ungedruckten Quellen darge- stellt von Melchior Thamm. Gymn.-Progr. Montabaur 1907.