Aufsatz 
Orion der Jäger : ein Beitrag zur semitisch-indogermanischen, besonders zur deutschen Mythenforschung / von ... Suchier
Entstehung
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Doch genug des etymologiſchen Treibjagens, das gleich der wilden Jagd alles mitrafft, was in ſeinem Gehege ſich findet. Der aufmerkende Leſer wähle aus, was ſchußgerecht iſt und was nicht, er laße laufen, was ihm als Beute zu geringfügig oder zu unbrauchbar ſcheint; zu verhüten war nur, daß ein Wild von Bedeutung entkäme. Vieles wäre noch zu begründen oder zu erörtern, viele Betrachtungen ließen ſich anſtellen, Misverſtändniſſen wäre vorzubeugen, Einwendungen im voraus zu begegnen. Aber bei dem außerordentlichen Umfang des Stoffes konnte nichts Anderes gegeben werden als eine Skizze. Ob der Kyklopenbau der Urmythologie nach dieſem oder beßer nach einem anderen Entwurf herzuſtellen ſei, mögen erfahrene Baumeiſter prüfen. Die Beſtandteile des uralten Gebäudes ſind im Laufe der darüber hingegangenen Jahrtauſende verwittert, die Steine ſind weit umher zerſtreut, anders behauen, zerſtückt und neu verweudet, aber Kunde und Andeutung fehlen doch nicht ganz. Wo der Wißenſchaft noch eine Handhabe vergönnt iſt, da darf ſie nicht loslaßen: ſie findet andere Stützen, greift weiter und gewinnt Stand. Der Naturforſcher ſtellt aus Steinabdrücken die belebte Körperwelt der Urzeit her, die Sprach⸗ vergleichung findet aus Wörtern die vorgeſchichtlichen Sitten zuſammen; ſollte es denn da vergeblich ſein auch einer Urmythologie nachzuſpüren?

Anhang.

Ich glaube der Wißenſchaft einen Dienſt zu leiſten, wenn ich einigen Notizen über Volksglauben und Volksbrauch, wie ihn der alte Kattenſtamm aus der heidniſchen Zeit bewahrt hat, hier noch eine beſondere Stelle gebe. Ich verdanke ſie der ſorgfältigen Bemühung meines Schwagers R. Heußner. Derſelbe iſt Pfarrer in Ottrau, einem Dorfe der Schwalmgegend, das entlegen und abgeſchieden vom großen Welt⸗ verkehr bis jetzt von der Cultur der Neuzeit wenig gewahr geworden iſt. Das dortige Volk beharrt in mehr als beſcheidener Einfachheit, ſeine Sprache iſt eigentümlich, ſeine Vorſtellungen reichen nicht weit, es hat noch ſeine Nationaltracht und läßt in Sitte und Lebensweiſe nicht vom alten Herkommen. Um ſo mehr muß es auffallen und als ein Zeichen unſerer ſo vieles umgeſtaltenden Zeit ins Auge gefaßt werden, daß die Leute, wie mein Schwager hinzuſetzt, nicht gern von ihren abergläubiſchen Bräuchen und An⸗ ſichten reden, weil ſie fürchten ſich lächerlich zu machen.

Der wilde Jäger. Vom wilden Jäger werden einzelne Erzählungen über ſein Erſcheinen noch geglaubt. Auch erzählen einzelne Leute, die das ſelbſt wollen erlebt haben, daß bei verbotenem Holz⸗ holen in der Nacht ein unbekannter Förſter mit dem Anweiſehammer(Thors Hammer, Orions Keule?) zu ihnen gekommen, oder auch, daß ein Reiter auf einem Schimmel vorbeigeſprengt ſei. Von der ſo⸗ genannten Blumerheide zwiſchen Hattendorf und Eudorf wird beſonders erzählt, daß da ſchon öfter ein Reiter auf einem Schimmel, wie in eine Wolke gebüllt, in der Abenddämmerung geſehen ſei. Der wilde Jäger ſoll die in der Luft beſtändig jagende Seele eines verſtorbenen Forſtmannes ſein, der ſeinem Wunſche gemäß nimmer zur Ruhe gelangen könne und von einer Anzahl Hündlein begleitet ſein früheres Lieblingsgeſchäft bis zum jüngſten Tage treiben müße. Er wie ſeine Helfer, ſagt man, ſeien nur durch ihren Jageruf und ihr Gebell hörbar, aber ſonſt unſichtbar. Nur wollen hier und da Leute die Schatten ſeiner Hunde auf dem Erdboden geſehen haben; dann müße man ein Vaterunſer beten, damit