Aufsatz 
Orion der Jäger : ein Beitrag zur semitisch-indogermanischen, besonders zur deutschen Mythenforschung / von ... Suchier
Entstehung
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Orion der Jäger.

Der nächtliche Himmel mit ſeinen zahlloſen Sternen muß für die Alten, und zwar für die in der unmittelbaren Anſchauung befangene Menge noch viel mehr als für die Schriftſteller, aus denen wir al⸗ lein unſere Kunde ſchöpfen, eine Wichtigkeit gehabt haben, die ſich nur dann einigermaßen nachempfinden läßt, wenn man ſich überwinden kann alle chriſtlichen Vorſtellungen und alle gewonnene Aufklärung als nicht vorhanden zu denken. Die Sterne haben jetzt nur noch wißenſchaftliches Intereſſe, das praktiſche Leben hat von ihnen wenig Gewinn, eigentlich nur vom Monde, ſie ſind entbehrlich geworden und finden daher wie alles, was unſerer materiellen Zeit nicht erſichtlichen Nutzen gewährt, außer bei den Aſtronomen ſo gut wie keine Beachtung mehr. Man gewahrt wol Mondfinſterniſſe, Kometen, Sternſchnuppen, merk⸗ würdige Conjunctionen mit Staunen, öfter nur mit Neugierde, nachdem die Wißenſchaft die Erſcheinung als merkwürdig vorausgeſagt hat, ſonſt aber würdigt man das große Sternenheer keiner näheren Forſchung. Wie wenige wißen die Planeten unter den Fixſternen herauszufinden, wie wenige haben vom Thierkreiſe eine klare Vorſtellung, wie wenige wißen, daß ſich der ganze Himmel um den Polarſtern dreht, und daß genau nach einem Jahre der Stand der Geſtirne wieder derſelbe iſt! Ja, wie vielen Altertumskennern iſt es unbekannt, was die Alten meinen, wenn ſie vom Aufgang des Fuhrmanns oder anderer Geſtirne oder vom verderblichen Sirius reden! Was jetzt kaum die Gelehrten wißen, das wußte im Altertum der ge⸗ meine Mann. Der geſtirnte Himmel war ſein Kalender, ſein Wegweiſer und ſein Stundenzeiger. Der Stand der Sterne ſagte ihm genauer als die Zu⸗ und Abnahme der Tage, wann es für dieſe oder jene ländliche Arbeit Zeit war, wann die Zeit der Herbſtſtürme oder der größten Hitze kam; der Seefahrer wie der Araber in der Wüſte hatten am nördlichen Siebengeſtirn den zuverläßigſten Compaſs, und wer mit den Sternen vertraut war, der konnte aus ihrer Stellung leicht die Stunde der Nacht erſehen. Das Auge der Alten war daher mehr auf den Himmel gerichtet als jetzt, man mußte ſich dort zu orientiren ſuchen, die ungeordnete Maſſe wurde gegliedert, man zeichnete die beſonders beobachteten und am beſten zu merkenden Sternverbindungen aus, benannte ſie zunächſt nach ihrem Ausſehen und ſchuf ſo die Stern⸗ bilder. Bei dem nie veränderten regelmäßigen Gange der Fixſterne mußte die veränderte Stellung der Planeten bald auffallen, und wie der Volkswahn überhaupt gern dem Ungewöhnlichen ungewöhnliche Fol⸗ gen zuſchreibt, ſo wurde den Planeten außerordentliche Wirkſamkeit beigelegt, Venus und Jupiter, die ſchönſten und hellſten, ſollten Glück, Mars der feurige und Saturn der düſtere Unglück bringen; ſo kam

man zur Aſtrologie. 1