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Im Laufe des Sommers wurde dem Dr. Feussner durch eine höchste Entschliessung vom 19. Juni ein Urlaub von sechs Wochen zum Gebrauche einer Raltwasser-Heilanstalt gnädigst bewilligt.— Gleichzeitig ward durch ein höchstes Rescript vom 19. Juni der ordentliche Gymnasiallehrer am Gym- nasium zu Fulda, Theodor Gies, in gleicher Eigenschaft an die hiesige Lehranstalt versetzt(vergl. üher sein Leben das Progr. des Fuldaer Gymnasiums vom Jahr 1859). Nach dem Antritt seines Amtes übernahm derselbe, während der Abwesenheit des Dr. Feussner, den Unterricht desselben im La- teinischen und Griechischen fär die zwei obersten Classen, sowie ausserdem Geschichte und einen Theil des Lateinischen in Tertia nebst dem Deutschen in Quinta. Hierdurch wurden mehrere Umtauschungen von Lehrgegenstanden unter verschiedenen Lehrern in den meisten Classen veranlasst, worüber gleichfalls das Nähere aus dem vorstehenden Verzeichniss der im Sommerhalbjahre ertheilten Lectionen zu ersehen ist.
Die Sommerferien begannen mit dem 28. Juni und dauerten bis zum 19. Juli.— Am 14. August wurde das heilige Abendmahl, naehdem am Tage zuvor Dr. Münscher die Vorbereitung gehalten hatte, von Lehrern und Schülern gemeinsam begangen.— Das Geburtsfest Sr. Röniglichen Hoheit des Rurfürsten Friedrich Wilhelm I. wurde am 20. August in herkömmlicher Weise unter Theilnahme eines zahlreichen Auditoriums durch eine Rede des Gymnasiallehrers Jung»-über die Nothwen- digkeit der Gymnasialbildung für die höheren Classen des Bürgerstandes«, so- wie durch die Aufführung mehrerer Gesangstücke unter Leitung des Cantors Weikert, gefeiert.— Die Maturitätsprüfung, zu welcher sich drei Primaner gemeldet hatten, ward den 8. September been- digt.— Am 20. und 21. dess. M. wurden die Herbstprüfungen der einzelnen Classen angestellt, und am dritten Tage fand die feierliche Entlassung der drei zur Universität abgehenden Primaner statt.
Das Wintersemester wurde am I1I. Oktober in Gegenwart sämmtlicher Lehrer und Schüler, wie gewöhnlich, eröffnet. Mehrere Veränderungen in der Vertheilung der Lehrgegenstände waren vorge- nommen, nachdem durch einen Beschluss Rurfürstlichen Ministeriums des Innern vom 9. Sept. v. J. eine neue Anordnung des lateinischen, griechischen, mathematischen, naturwissenschaftlichen und geogra- Phischen Unterrichts für die Aufstellung der Lectionsplane an den Gymnasien empfohlen war. Daher wurde dem Gymnasiallehrer Jung der grösste Theil des Unterrichts im Lateinischen für Secunda, dem Gymnasiallehrer Gies derselbe Lehrgegenstand nebst dem Ordinariat für Tertia, sowie der Unterricht im Griechischen für Quarta, den Praktikanten Dr. Suchier u. Dr. Heräus aber, ersterem das Latei- nische für Quinta, letzterem dasselbe für Quarta übertragen.— Da durch einen Beschluss Rurfürstli- chen Ministeriums des Innern vom 20. October v. J. die Trennung des in Secunda und Tertia combinir- ten Religionsunterrichts verfügt war; so übernahm denselben in der ersteren Classe Dr. Feussner, in der letzteren Dr. Münscher. Ueber einige anderweitige, durch oben genannte Anordnung veranlasste, Umtauschungen ergibt sich das Nähere aus dem vorstehenden Verzeichniss der in diesem Semester ertheilten Leclionen.
Die Schulen wurden wegen der Weihnachtsferien vom 25. December bis zum 3. Januar geschlos- sen.— Der Gymnasiallehrer Dr. Ferdinand August Dommerich hatte durch Einreichung einer im Druck erschienenen Dissertation unter dem Titel:»Die Nachrichten Strabo's über die zum jetzigen deutschen Bund gehörigen Länder kritisch entwickelt, vollständig erläutert und systematisch geordnet. Marburg 1848. 205 S. in 8., den Doctorgrad der Philosophie erlangt.— Für diejenigen Schüler, welche sich zur Maturitätsprüfung für Ostern gemeldet hatten, wurde die sebriftliche Prüfung auf den 7. Fe- bruar u. d. f. Tage, die mündliche auf den 20., 21. und 22. März festgesetzt.


