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bedingt als durch die Schule selbst, z. B. unzweckmässige Zeiteinteilung, übertriebene und unpassende Vergnügungen, Lesewut usw. Dass auch durch die Schule unter besonderen Umständen Ueberbürdung vorkommen kann, ist natürlich nicht ausgeschlossen,
b. Einige Nervenkrankheiten.
Für die Schule kommen besonders in Betracht Kopfschmerz, Nervosität, Veits- tanz, Fallsucht, Geisteskrankheiten, Minderwertigkeit und Sprachstörungen.
1. Kopfschmerz ist häufig eine Folge von geistiger Ueberanstrengung; jedoch gibt es noch zahlreiche andere Ursachen des Kopfschmerzes, z. B. Verdauungs- störungen, träger Stuhlgang, ungenügende Bewegung, Kurzsichtigkeit(in diesem Fall kann eine geeignete Brille rasche Abhülfe schaffen), ferner Krankheiten der Nase und des Rachens, ja sogar ein zu enger Kragen. Auch nasse Fussbekleidung kann Kopf- schmerzen verursachen; es wäre daher empfehlenswert, dieselbe erforderlichen Falls in der Schule wechseln zu lassen, indem man die Schüler anhält, das dazu Nötige mitzubringen.
2. Nervosität, die auch unter den Schülern nicht so selten vorkommt, äussert sich durch Unaufmerksamkeit, Gedächtnisschwäche, auffallend rasche Ermüdung, Unruhe, Reizbarkeit, schlechten Schlaf, nächtliches Aufschrecken in Verbindung mit Kopfschmerz und Nasenbluten. Ursachen öfter mehr ausser- als innerhalb der Schule, z. B. erbliche Belastung(Alkoholismus), falsche häusliche Erziehung, unzweckmässige Tageseinteilung, unzureichender Schlaf, Musikunfug, unpassende Vergnügungen, sexuelle Momente, Blutarmut, schliesslich und wohl nicht ganz selten, vorzeitiger Genuss alkoholischer Getränke, in anderen Fällen aber auch übertriebene geistige Anstrengung, nächtliches Arbeiten, langes Sitzen.
3. Veitstanz äussert sich in Form unwillkürlicher regelloser Bewegungen, z. B. Gesichtsverzerrungen, Unruhe der Arme, Hände, Finger, Beine, ferner lusten. Räuspern u. dergl. Leichte Fälle werden öfter mit Unart verwechselt und bestraft, z. B. das Fratzenschneiden oder die in Folge der Zuckungen schlechte Schrift. Dauer der Krankheit Monate, schliesslich meistens Genesung. Neben Schlafmangel, Musik- unterricht und ähnlichen Nervenschädigungen können auch Krankheiten der Nase und des Rachens(geschwollene Mandeln) den Ausbruch der Krankheit begünstigen. Wegen der Gefahr der Nachahmung müssen an Veitstanz erkrankte Schüler der Schule fernbleiben.
4. Fallsucht. Die Anfälle können durch Aufregungen, 2. B. körperliche Züchtigung hervorgerufen werden. In leichten Fällen nur Aenderung der Gesichts- farbe, starrer Blick, vorübergehender Schwindel. Der Anblick eines Anfalles kann bei den Schülern äusserlich ähnliche Krämpfe hervorrufen. Erkrankte Schüler, die nur wenig Anfälle haben und einen Anfall rechtzeitig vorausfühlen, um sich melden und das Zimmer verlassen zu können, können die Schule besuchen.
5. Geisteskrankheiten sind bei Kindern sehr selten. Der Eindruck des Schwachsinnes entsteht bisweilen durch Krankheiten der Nase, Ohren oder Augen.
6. Die sogenannte psychopathische Minderwertigkeit, bei der die geistige Leistung auf gewissen Gebieten gut, auf anderen aber auffallend schlecht sein kann, ist sehr häufig mit körperlichen Mängeln verbunden, z. B. mit schiefem Kopf, abnormer Schädelgestalt, Schielen, zu grossen Ohren, Hländen oder Füssen.
7. Sprachstörungen, 2. B. Stottern, hängen bisweilen mit Erkrankungen der Nase und des Rachens zusammen. Kinder, die beim Atmen den Mund offen halten und fehlerhaft sprechen, sollten daher ärztlich untersucht werden. Die Entstehung von


