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In der Frühe desſelben Tages machte ein ſanfter Tod den ſchweren Leiden ein Ende, von welchen der Prorektor Profeſſor Dr. Weber in der zweiten Hälfte des Monats September ergriffen worden war. Ausgerüſtet mit ungewöhnlich reichen Gaben des Geiſtes und ausgezeichnet durch Umfang, Fülle und Tiefe des Wiſſens hat dieſer Lehrer mehr als 32 Jahre lang unſerer Anſtalt mit raſtloſem Fleiße und lebendigem Pflichteifer gedient.
Infolge des Ausſcheidens der beiden Oberlehrer Dr. Weber und Riedel erlitt die Verteilung, des Unterrichtes unter die Lehrer für das Winterhalbjahr manche Abänderungen. Die Kandidaten Sprengel, Bode und Handwerck wurden als beſoldete Hülfslehrer herangezogen.
Die herkömnliche gemeinſchaftliche Feier des heiligen Abendmahles wurde von den evangeliſchen Lehrern und Schülern des Gymnaſiums am Sonntag den 3. November in der St. Martinskirche begangen.
Am 12. Dezember wohnte Herr Geheimer Regierungsrat Dr. Lahmeyer einigen Unterrichts⸗ ſtunden der Kandidaten Handwerck, Brandes und Siebert bei.
Die Chriſttagsferien dauerten vom 23. Dezember 1889 bis zum 6. Januar 1890. Vor Beginn dieſer Ferien wurde wie alljährlich eine Weihnachtsandacht gehalten.
Die im Dezember 1889 auch in Caſſel epidemiſch aufgetretene Grippe oder Influenza ließ auch den Geſundheitszuſtand der Lehrer und Schüler des Friedrichs⸗Gymnaſiums nicht unberührt. Von den Lehrern mußten vor Chriſttag die ordentlichen Lehrer Paulus und Dr. Brede mehrere Tage lang ihren Schuldienſt unterbrechen; während der erſten Schulwoche nach Neujahr waren Profeſſor Dr. Zu⸗ ſchlag, ordentlicher Lehrer Hüpeden und Hülfslehrer Handwerck, letzterer noch bis zum 1. Februar, an der Beſorgung ihrer Lehrſtunden verhindert. Die Zahl der Schulverſäumniſſe bei den Schülern aller Klaſſen, welche beiſpielsweiſe am 16. November 12, am 2. Dezember ſchon 17 betrug, ſtieg bis zum 21. Dezember auf 46, am 23. Dezember gar auf 62. Am 7. Januar mußten noch 22 Schüler die Schule verſäumen.
Die Trauerbotſchaft von dem Hinſcheiden Ihrer Majeſtät der Kaiſerin und Königin Auguſta am 7. Januar 1890 erfüllte Lehrer und Schüler mit tiefem Schmerze. Dem Gedächtniſſe dieſer hochſeligen Landesmutter wurde eine Trauerandacht am 11. Januar geweiht.
Am 27. Januar wurde die Feier des Geburtstages Sr. Majeſtät des Kaiſers und Königs durch einen öffentlichen Schulakt feſtlich begangen. Der Vortrag vaterländiſcher Gedichte durch Schüler wechſelte mit dem Vortrag vaterländiſcher Geſänge durch den Schülerchor; alsdann redete der Unterprimaner Theodor Riebeling über Philipp den Großmütigen. Die Feſtrede hielt Oberlehrer Dr. Kius über die beiden Gründer eines deutſchen Reiches König Heinrich I. und Kaiſer Wilhelm I. Der Königliche Provinzial⸗Schulrat Herr Geheimer Regierungsrat Dr. Lahmeyer wohnte der Feier bei.
Durch Miniſtererlaß vom 6. Februar wurde Profeſſor Dr. Zuſchlag zum erſten Oberlehrer und der bisherige Oberlehrer am hieſigen Wilhelms⸗Gymnaſium Johann Püttgen(vergl. Progr. 1872, S. 14; 1873, S. 14; 1884, S. 23; 1887 S. 15) zum zweiten Oberlehrer vom 1. April 1890 an ernannt.
Die Entlaſſungsprüfung wurde in ihrem ſchriftlichen Teile vom 10. bis zum 15. Februar, in ihrem mündlichen Teile am 26. und 27. März unter dem Vorſitze des Direktors abgehalten.
Am 18. Februar als am Faſtnachtstag fiel der Unterricht aus.
Am 9. und am 22. März wurden Schulfeiern zum Gedächtniſſe Sr. Majeſtät des hochſeligen Kaiſers und Königs Wilhelm I. gehalten.
Am 16. März ſtarb zu Wiesbaden Profeſſor Dr. Uth, welcher von Oſtern 1867 bis Michaelis 1879 als Lehrer am hieſigen Gymnaſium gewirkt hat.


