Aufsatz 
Friedrich der Grosse und Graf Schaffgotsch, Fürstbischof von Breslau / von Paul Stettiner
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zweiten Flucht mag ihn weniger die Furcht vor neuen Enthüllungen als die unbehagliche Situation, in der er sich als gefallener Günstling bei der Wachsamkeit des schlesischen Ministers befand, bewogen haben.

Man kann die Worte Friedrichs, die dieser an seinen Freund, den Grafen Hoditz, schrieb, von jedem Standpunkte aus billigen: Je suis bien aise de sa désertion. Faut-il s'étonner qu'une cervelle légère comme celle de Schaffgotsch veuille me traiter de méême. Mais il sera cette fois pour sa peine. Le temporel de cet homme vaut mieux que ce qu'il prétend avoir de spirituel. ¹)

Theiner, der nach Einsicht des päpstlichen Archives ein durchaus einseitiges und falsches Bild von Schaffgotsch geliefert hat, sagt am Schlusse seines Werkes: ²)Schaffgotsch fiel und musste fallen, weil er ungeachtet seiner überaus grossen Ehrfurcht für die Regierung doch auch katholischer Bischof sein wollte und auch im eigentlichen Sinne des Wortes war. Erst Fechner hat vor einigen Jahren die Märtyrerkrone, die Schaffgotsch so wohlfeil erworben, vom Haupte des Verräters und Heuchlers entfernt und, soweit er es konnte, der Welt das wahre Gesicht des unwürdigen Bischofs gezeigt. Die Aufgabe meiner Arbeit war es, nach voll- ständigerem Aktenmaterial die Sachlage noch einmal zu prüfen. Wer Augen hat, wird sehen, dass kein Mann der katholischen Kirche mehr Abbruch gethan, als Schaffgotsch selbst. Erst nach seinem Verrate im Jahre 1757 hat der König eine wirkliche Veränderung des status der katholischen Religion, in dem er Schlesien im Jahre 1740 gefunden, bei vollständiger Duldung ihrer wesentlichen Gebräuche und Einrichtungen bewirkt.

1) 20. April 1766, Oeuvres, XX, S. 218. 2) II, 147.